Tagesschau
27. Jänner 2022 aktualisiert um 14:54
Gesundheit

Pandemie

Corona-Experte sieht in Durchseuchung Chance auf Normalität

Der Innsbrucker Infektiologe Günter Weiss sieht in einer "gezielten Durchseuchung mit angezogener Handbremse" die reelle Chance auf Normalität.
Quelle © MedUni Innsbruck/Screenshot
Die Omikron-Welle durchläuft derzeit ganz Europa und ist nicht aufhaltbar. Laut dem Innsbrucker Corona-Experten Günter Weiss kann eine "gezielte Durchseuchung" aber auch dazu führen, dass der Sommer wieder normal verläuft.

Günter Weiss ist Infektiologe, Direktor der Uni-Klinik für Innere Medizin in Innsbruck und gehört auch dem Beraterstab im österreichischen Gesundheitsministerium an. Für ihn ist - wie für nahezu alle Experten - klar, die Omikron-Welle ist nicht zu stoppen. Aber das sei auch eine Chance auf die ersehnte Rückkehr zur Normalität, sagt er im Interview der Nachrichtenagentur APA. Dies gebe es bie einer "gezielten Durchseuchung mit angezogener Handbremse", das heißt bei Beachtung banaler und effizienter Präventionsmaßnahmen. Die Durchseuchung mit der wesentlich milderen, aber ansteckenderen Omikron-Variante werde wahrscheinlich in rund zwei Wochen ihren Höhepunkt erfahren und dann wieder abflachen. Ein Lockdown werde da nichts bringen.

"Der Omikron-Zug ist auf Schiene. Und er wird mit oder ohne Lockdown durchrauschen."

Günter Weiss, Infektiologe Innsbruck

Bei einer "Durchseuchung mit angezogener Handbremse" gelte es aber auch danach zu trachten, dass "nicht zu viele Fälle auf einmal anfallen, damit nicht doch ein Problem mit der medizinischen Versorgung entstehen" könne. Dafür müsse man einfach die vorgegeben Hygienemaßnahmen einhalten, plädierte Weiss für Hausverstand.

Normaler Sommer in Aussicht

Durch die Durchseuchung werde man, verbunden mit der Impfung, eine "hohe Immunität in der Bevölkerung" haben und es hoffentlich bzw. wahrscheinlich auch schaffen, aus der "Pandemie herauszukommen" und einen "normalen Sommer" haben. Er hoffe, dass man von einer pandemischen in eine epidemiologische Situation übergehe, in der man in der kalten Jahreszeit wieder mit dem Virus konfrontiert sein werde wie bei anderen Viren, mit denen man auch zu leben gelernt habe. Dann werde es immer wieder darauf ankommen, dass sich möglichst viele ältere Menschen und Risikopatienten impfen lassen. Genau prophezeien könne allerdings man nichts. Dies habe man in den vergangenen fast zwei Jahren gelernt, so Weiss.

Die bisherige Omikron-Welle habe gezeigt, dass - im Gegensatz zu vorherigen Wellen - die Auslastung in Intensiv- wie Normalstationen nicht in demselben Ausmaß mit den steigenden Infektionszahlen zunimmt. Er rechne zwar damit, dass kurzfristig auch hier die Belegung etwas steigen werde, Genaueres könne man wohl erst in etwa zwei Wochen sagen.

Hygiene effektiver als übermäßiges Testen

Weiss kritisiert das seiner Ansicht nach übermäßige und ungezielte Testen in Österreich. Österreich gebe Milliarden für Tests aus und die Menschen würden sich mit negativen Testzertifikaten in falscher Sicherheit wiegen und auf Hygienegrundregeln verzichten. Es sei doch nicht notwendig, zum Beispiel als dreifach geimpfte und Maske tragende Person für eine Veranstaltung auch noch einen PCR-Test vorweisen zu müssen, unterstreicht Weiss.

"Man sollte besser schauen, dass die Leute die Masken richtig tragen, die Händehygiene und Abstandsregeln beachten".

Günter Weiss, Infektiologe Innsbruck

Die Impfpflicht ist für Günter Weiss die "letzte und drastischste Möglichkeit", dem Ziel einer Erhöhung der Impfquote und in weiterer Folge insbesondere dem Ziel, schwerere Verläufe und Todesfälle zu verhindern, näher zu kommen. "Die Für und Wider müssen auch im Hinblick auf die Dynamik der Pandemieentwicklung sorgsam abgewogen und kommuniziert werden, um massive und anhaltende Spaltungen und Zerwürfnisse in der Bevölkerung zu verhindern", mahnt der Experte.

apa ka

					

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