Tagesschau
03. Juli 2022 aktualisiert um 10:41
Politik und Institutionen

Winterspiele Mailand/Cortina/Antholz

Olympia 26: Von Nachhaltigkeit keine Spur

In Kürze starten die Olympischen Winterspiele in Peking. Die CIPRA kritisiert derweil Italiens «grüne» Winterspiele 2026.
Quelle © Zdeněk Macháček Die 1955 gebaute Sprungschanze in Cortina D'Ampezzo wird seit 1990 nicht mehr benutzt
Die 1955 gebaute Sprungschanze in Cortina D'Ampezzo wird seit 1990 nicht mehr benutzt
Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass die Alpen als Austragungsort für Grossveranstaltungen wie die Olympischen Spiele ungeeignet sind, davon ist die Internationale Alpenschutzkommission CIPRA überzeugt.

Selbst bei den letzten Winterspielen in den Alpen, 2006 in Turin, blieben die Regionen mit hohen Schulden und ungenutzten Sportstätten zurück, so die Cipra. Die lokale Bevölkerung ist sich heute dieser negativen Auswirkungen bewusst. Volksbefragungen in den Schweizer Kantonen Wallis und Graubünden, im österreichischen Tirol sowie in Salzburg und in München/D zeigten, dass grosse Teile der Alpenbevölkerung nicht mehr bereit sind, die negativen Folgen der Olympischen Winterspiele hinzunehmen. Italien hat den Zuschlag für die Olympischen Winterspiele 2026 erhalten ohne ein Referendum durchzuführen.

Offener Brief an IOC

In einem offenen Brief fordert die CIPRA das IOC und das italienische Olympische Komitee dazu auf, die Pläne für die Winterspiele Mailand Cortina 2026 zu überdenken. Mit ihrer «Agenda 2020» wollte sich das IOC um mehr Transparenz und Nachhaltigkeit bemühen: Es solle keine Bauruinen und öffentliche Schulden mehr geben, so das Versprechen. Die tatsächlichen Pläne für die Winterspiele 2026 zeichnen ein anderes Bild. 

Umstrittene Bobbahn in Cortina

Prominentestes Beispiel ist der geplante Bau einer neuen Bobbahn in Cortina mit Kosten von mindestens 60 Millionen Euro, obwohl es kostengünstigere und umweltschonendere Alternativen gibt, meint die CIPRA. Die Austragung einzelner Bewerbe könnte etwa im Eiskanal von Innsbruck-Igls/A stattfinden.

Italienische Umweltverbände üben daher Kritik an den Plänen rund um Sportstätten und weitere Bauprojekte in Verbindung mit den Olympischen Winterspielen 2026, die nur für kurze Zeit genutzt würden – inmitten der UNESCO-Welterberegion der Dolomiten.

Vanda Bonardo, Präsidentin von CIPRA Italien meint dazu: «Die Art und Weise der Austragung olympischer Winterspiele muss drastisch überdacht werden, angefangen bei all den überdimensionierten Infrastrukturbauten. Wenn das jetzt nicht gelingt, sollte der Alpenraum (dafür) nie wieder in Betracht gezogen werden»

Laut CIPRA sollten nachhaltige Olympische Winterspiele weitaus weniger Disziplinen und Personen direkt vor Ort einbeziehen und regelmässig nur in klimatisch geeigneten Gebieten der Welt in bestehenden Anlagen stattfinden.
 
cb

					

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