Tagesschau
04. Juli 2022 aktualisiert um 18:00
Chronik

​Petition für Wahl einer Staatspräsidentin in Italien

In Kürze verabschiedet sich Staatspräsident Sergio Mattarella aus seinem Amt. Mit einer Petition soll nun erstmals eine Frau zur ersten Staatschefin im Land werden.
Quelle © Ansa Einige der prominenten Unterzeichnerinnen der Petition.
Einige der prominenten Unterzeichnerinnen der Petition.
In Italien haben Intellektuelle, Schriftstellerinnen und Künstlerinnen eine Petition für die Wahl einer Frau zur ersten Staatschefin im Land gestartet.
 
Das Parlament beginnt ab Mitte Jänner mit der Wahl für einen Nachfolger von Präsident Sergio Mattarella, dessen siebenjähriges Mandat Anfang Februar ausläuft. Die Petition für ein weibliches Staatsoberhaupt wurde von der bekannten italienischen Schriftstellerin Dacia Maraini in die Wege geleitet.
 
"Wir wollen es deutlich sagen: Es ist an der Zeit, eine Frau zur Staatschefin zu wählen", heißt es in einem Aufruf an die politischen Kräfte. Der Präsident wird in Italien von beiden Kammern des Parlaments und Vertretern der 20 Regionen gewählt.

Unterzeichnet wurde der Appell unter anderem von der Holocaust-Überlebenden und Schriftstellerin ungarischer Abstammung Edith Bruck, der Regisseurin Liliana Cavani, den Schriftstellerinnen Michela Murgia, Silvia Avallone und Melania Mazzucco, den Komikerinnen Luciana Littizzetto und Sabina Guzzanti sowie der Sängerin Fiorella Mannoia.
 
"Es gibt in Italien Frauen, die aufgrund ihrer Titel, ihrer Verdienste, ihrer Erfahrung und ihrer Ausgeglichenheit sehr wohl Präsidentin werden könnten, auch wenn dies nicht der Ort ist, um eine Liste von Namen zu erstellen", heißt es in dem Appell. In Italiens demokratischer Geschichte gab es bisher weder eine Regierungschefin noch eine Staatspräsidentin.

"Es ist an der Zeit, eine Frau zu wählen" 

In dem Aufruf an die Parlamentarier, die den Präsidenten wählen, heißt es: "In Kürze sind Sie aufgerufen, den Präsidenten der Republik zu wählen, und wir glauben, dass es an der Zeit ist, der Idee der Gleichstellung der Geschlechter, die von den demokratischsten und fortschrittlichsten Kräften unseres Landes so sehr geteilt und unterstützt wird, Substanz zu verleihen. Wir wollen es deutlich sagen: Es ist an der Zeit, eine Frau zu wählen. Italien ist in Sachen Chancengleichheit eine weitgehend unfertige Demokratie, mehr als Länder wie Deutschland, Großbritannien, Österreich, Belgien, Dänemark, Island, Norwegen und Finnland."
 
"Viele Frauen haben in den vielen öffentlichen Ämtern, die sie bekleidet haben, Achtung, Vertrauen und Bewunderung gewonnen, und wir weigern uns zu glauben, dass sie nicht das Charisma, die Fähigkeiten und die Autorität besitzen, um die höchste Form der Repräsentation und Anerkennung zum Ausdruck zu bringen. Das ist der springende Punkt", hieß es.
 
Unter den gehandelten Kandidaten für Mattarellas Nachfolge ist die amtierende Justizministerin Marta Cartabia. Weitere Kandidaten im Rennen um das Amt des Präsidenten sind Premier Mario Draghi und Ex-Regierungschef Giuliano Amato.

(joi/apa) 
 

					

Leseempfehlungen


					

Mehr Artikel zu Chronik