Tagesschau
19. Mai 2022 aktualisiert um 06:33
Politik und Institutionen

Transitverkehr

Streit wegen Brennertransit

Eine neue Tiroler Studie zeigt: Der LKW-Verkehr am Brenner nimmt wegen der niedrigen Kosten weiter zu. Die Frächter sehen die Studie kritisch.
Quelle © Rai Tagesschau
Die erneut gestiegene Verkehrsbelastung durch den Lkw-Verkehr auf der Brennerroute ist auf die äußerst niedrigen Kosten dieser Alpentransversale zurückzuführen. Jede 3. Frächter nimmt einen Umweg von mehr als 60 Kilometer in Kauf, weil die Fahrt über den Brenner mit Abstand am billigsten ist. Das verdeutlicht eine aktuelle Studie.

Fritz Gurgiser brachte es vor 25 Jahren auf den Punkt: Der Brenner ziehe den Lkw-Transit an wie der Kuhmist die Fliegen. Auf einer der Schweizer Routen kostet die Maut zweieinhalb mal soviel wie auf der Brennerroute, und dies trotz erhöhter Sondermaut in Tirol; denn besonders billig ist vor allem der südliche Abschnitt.

Hinzu kommt der steuerbegünstigte billigere Diesel in Österreich, weshalb sich Volltanken im Inntal lohnt.

Bei 880.000 Lkw-Fahrten im Jahr, jeder dritten Fahrt, zahlt sich ein Umweg über den billigen Brenner aus. Das zeigt die Studie von Planoptimo. Seit Beginn der 1990er Jahre ist die Belastung am meistbefahrenen Alpenübergang politischer Dauerbrenner. Seither ist der Lkw-Transit um 130 Prozent gestiegen. 

Kritik der Frächter

Die Frächtervereinigung ANITA zweifelt die Ergebnisse der Studie des Landes Tirol an. Deren Präsident, der Südtiroler Transunternehmer Thomas Baumgartner, verlangt eine Gegenstudie aus Südtirol. 

Eine Drittel Umwegverkehr von mehr als 60 km, ein Fünftel sogar mehr als 120 km: Das glaubt Thomas Baumgartner schlichtweg nicht:

"Nach unserer Erfahrung kann die nicht stimmen. Die ist einseitig", sagt Baumgartner. Die Frächter würden schon seit drei Jahren vom Landeshauptmann eine durch das Land beauftragte Studie verlangen.

Die vorliegende Studie kenne er nicht, aber sie sei auf jeden Fall von der Tiroler Umweltlandesrätin Ingrid Felipe gemacht. Und die sei nicht unparteiisch, so Baumgartner.

Zum Vorschlag von Landeshauptmann Kompatscher, eine digitalisierte Brennerautobahn zu machen: je höher die Emissionen und je größer der Verkehr, desto mehr Maut, kommentiert Baumgartner: "Ich halte alles für machbar, wenn alle Verkehrsteilnehmer gleich behandelt werden, wenn das auch für PKW gilt, dann ist das ohne weiteres möglich."

cb/bs/nis

					

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