Tagesschau
02. Juli 2022 aktualisiert um 09:37
Wirtschaft und Arbeit

Staatliche Neuregelung

Südtirol: Müllsammelsystem wird umgebaut

Ist der Minirecyclinghof in vielen Gemeinden ein Auslaufmodell? Bis 2028 muss das Müllsystem vereinheitlicht werden. Das hat Vor- und Nachteile.
Quelle © Rai Tagesschau Der Müllverbrennungsofen von Bozen: Wichtigste Entsorgungsanlage im Land für Restmüll
Der Müllverbrennungsofen von Bozen: Wichtigste Entsorgungsanlage im Land für Restmüll
Am Samstag ist es eine beliebte Beschäftigung in vielen Gemeinden: Die Recyclinghöfe sind geöffnet und viele Bürger:innen geben Papier, Plastik, Metall und andere Abfälle ab. Das hat zur Folge, dass diese Materialien wiederverwendet und nicht im Bozner Müllverbrennungsofen verbrannt werden müssen. Das Südtiroler System mit seinen 86 Recyclinghöfen und Müllsammeldiensten hat sich bewährt.

Zuständig sind die Gemeinden oder die Bezirksgemeinschaften. Das System funktioniert weitgehend dezentral.

Darum muss umgebaut werden

Doch in den kommenden fünf Jahren wird es einige wesentliche Änderungen geben. Denn laut einer staatlichen Vorgabe müssen die Müllsammeldienste zentralisiert werden - die Zuständigkeiten werden an das Land übergehen.

In Südtirol fallen jährlich fast 300.000 Tonnen Müll an. Mehr als die Hälfte ist wiederverwertbar. Der Rest ist Abfall, der von der Müllabfuhr eingesammelt und im Bozner Verbrennungsofen verbrannt wird. Die Energie aus der Verbrennung wird für Fernwärme zur Stromproduktion genutzt. 

Hier greift nun eine neue staatliche Bestimmung. Denn die staatliche Aufsichtsbehörde für Energie und Infrastrukturen, Arera, schreibt vor, dass Südtirol ein einheitliches Müllverarbeitungssystem benötigt. Also nicht mehr jede Gemeinde und Bezirksgemeinschaft ist für die Dienste zuständig, es braucht eine zentrale Stelle im Land.

Die Skepsis der Gemeindeverwalter

Gestern wurden die Gemeindeverwalter erstmals mit den neuen staatlichen Vorgaben zu den Müllsammeldiensten konfrontiert. In fünf Jahren soll das neue System stehen. 2028 muss dann eine Landesstelle die Müllsammeldienste koordinieren.
 
Diese Pläne würden nicht bei allen Gemeindevertretern gut ankommen, bestätigt der Präsident des Gemeindenverbands Andreas Schatzer. „Die Frage, die sich viele Verwalter stellen, ist, ob man ein funktionierendes System verändern soll.“

Für das gesamte System ist das eine sportliche Herausforderung. Immerhin muss Grundsätzliches umgebaut werden. Wobei ganz offensichtlich der Wille besteht, die dezentralen Sammelpunkte zu erhalten, bestätigt Schatzer. „Die staatlichen Bestimmungen müssen an das System der Minirecyclinghöfe angepasst werden.“

Die Chancen des Umbaus

Dass viele Dienste gut funktionieren, darauf verweist auch der Direktor im Amt für Abfallbewirtschaftung des Landes, Giulio Angelucci. Er sieht aber nicht nur den Nachteil des Umbaus. Der Umbau bietet neue Chancen. „Unser System funktioniert gut, weil es kapillar aufgebaut ist, auf Gemeinde-, Bezirks- und Landesebene. Synergien können aber nicht immer genutzt werden.“

Ein einheitlicher Dienst ist gut und recht. Aber der gleiche Dienst muss auch einen einheitlichen Preis haben. Daher muss auch über eine einheitliche Müllgebühr für alle Bürger im Land nachgedacht werden. Ähnliche Gedanken muss man sich auch bei den Diensten der Recyclinghöfe machen, sich also die Frage stellen, ob im ganzen Land dieselben Wertstoffe gesammelt und dieselben Recyclinghofdienste angeboten werden sollten. „Eine Vereinheitlichung der Führung erlaubt es, Synergien besser zu nutzen. Etwa bei der Umladestation an der Müllverbrennungsanlage gibt es immer wieder Engpässe. Durch Synergien wäre das zu vermeiden,“ erklärt Angelucci. 

Das neue Sammelsystem bietet Chancen, Ressourcen sparsamer einzusetzen. Der Gewinn sollte dann beim Bürger landen: in Form niedrigerer Müllgebühren.

pm/hase

					

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