Tagesschau
27. Mai 2022 aktualisiert um 07:32
Politik und Institutionen

Krieg in Europa

Ukraine - Tote bei Angriffen auf Kiew und Charkiw

Russland greift Rüstungsfabrik an ++ Selenskyj: Bis zu 3.000 tote Soldaten ++ Ukraine erwartet Offensive im Osten +++ Italien sperrt Häfen.
Quelle © Ansa Zerstörung in Charkiw (Kharkiv)
Zerstörung in Charkiw (Kharkiv)
Bei neuen Angriffen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew und die ostukrainische Metropole Charkiw sind offiziellen Angaben zufolge mehrere Menschen getötet worden. Luftschläge gab es Angaben vom Samstag zufolge auch in anderen Teilen der Ukraine. Präsident Wolodymyr Selenskyj nannte die bisher höchste Zahl getöteter Soldaten aus den eigenen Reihen.

Kiew: Panzerfabrik zerstört

Bei dem neuen Angriff auf Kiew seien Produktionsanlagen einer Panzerfabrik zerstört worden, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, in Moskau. Die ukrainische Seite sprach ihrerseits von einem russischen Raketenangriff auf den Stadtteil Darnyzja im Südosten der Millionenmetropole, bei dem ein Mensch getötet worden sein soll. Zudem seien mehrere Menschen mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht worden, sagte Bürgermeister Vitali Klitschko im Fernsehen.

Klitschko appellierte im Nachrichtenkanal Telegram an die Bevölkerung der Hauptstadt, Luftalarm der Behörden nicht einfach zu ignorieren. In der ukrainischen Hauptstadt gibt es mehrfach täglich Luftalarm. Weil inzwischen auch Menschen, die vor der ersten Angriffswelle der Russen geflüchtet waren, wieder nach Kiew zurückkehren, forderte der Bürgermeister, dies zu unterlassen und an sicheren Orten zu bleiben.

Charkiw: Verletzte und Tote

Moskau hatte zuletzt mit Angriffen auf die Kommandozentralen in Kiew gedroht, nachdem das ukrainische Militär angeblich russisches Gebiet beschossen haben soll. Unterdessen soll auch bei einem Angriff auf die ostukrainische Großstadt Charkiw mindestens ein Mensch getötet und 18 weitere verletzt worden sein. Angriffe wurden zudem in der Westukraine im Gebiet Lwiw und einem Militärflugplatz in Olexandrija im Zentrum der Ukraine gemeldet.

3.000 ukrainische Soldaten tot 

Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Selenskyj wurden in den ersten sieben Wochen Krieg 2500 bis 3000 ukrainische Soldaten getötet. Dies sind die bislang höchsten genannten Zahlen zu Verlusten in den eigenen Reihen. Die Zahl der getöteten russischen Soldaten bezifferte Selenskyj im US-Fernsehsender CNN auf inzwischen 20.000. Moskau spricht hingegen offiziell von 1351 getöteten russischen Soldaten.

Baldige Offensive im Osten

Der Gouverneur des ostukrainischen Gebiets Luhansk erklärte, Russland habe bereits Zehntausende Soldaten für eine baldige Offensive zusammengezogen. Zudem seien Hunderte Einheiten Technik in die Region transportiert worden, sagte Serhij Hajdaj. "Sie haben schon alles für einen Durchbruch bereit." Seiner Einschätzung nach warteten die russischen Truppen nur noch auf besseres Wetter, um dann zeitgleich in den Gebieten Luhansk und Donezk ihre Angriffe zu starten. In beiden Regionen soll nach Wetter-Vorhersagen voraussichtlich Mitte kommender Woche der Regen aufhören.

Italien sperrt Häfen für russische Schiffe

Ab Sonntag sind die italienischen Häfen für russische Schiffe gesperrt. Das Verbot gilt auch für Schiffe, die nach dem 24. Februar umgeflaggt wurden. Die Maßnahme ist in einem Rundschreiben des Generalkommandos der Hafenbehörden enthalten, mit dem die Richtlinie der Europäischen Union vom 8. April umgesetzt wird, mit der weitere Sanktionen gegen Russland eingeführt wurden. Russische Schiffe müssen alle Häfen  in Italien umgehend verlassen.

Moskau: Einreiseverbot für Boris Johnson

Moskau verhängte als Antwort auf westliche Sanktionen ein Einreiseverbot gegen den britischen Premierminister Boris Johnson. Auch dessen Vorgängerin Theresa May sowie Verteidigungsminister Ben Wallace und Außenministerin Liz Truss dürfen nicht mehr nach Russland. Auf einer Liste, die das Außenministerium in Moskau veröffentlichte, stehen die Namen von insgesamt 13 britischen Verantwortlichen. Zuvor hatte Russland schon Einreiseverbote gegen US-Präsident Joe Biden sowie Politiker aus der Europäischen Union, Australien und Neuseeland erlassen.

Seit Kriegsbeginn am 28. Februar haben nach UN-Angaben mehr als 4,8 der ehemals 44 Millionen Einwohner das Land verlassen. Es ist davon auszugehen, dass die tatsächliche Zahl der Flüchtlinge höher liegt, da es an den Grenzen keine festen Kontrollen gibt und sich Menschen mit ukrainischem Pass 90 Tage lang ohne Visum in der EU aufhalten dürfen.

apa ka

					

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