Privatmedizin

Der Professor aus dem Passeiertal

Alfred Königsrainer gilt als einer der besten Transplantationschirurgen. Seit Jahren leitet der gebürtige Passeirer das Universitätsklinikum in Tübingen. Jetzt kehrt er nach Südtirol zurück.

Der Professor aus dem Passeiertal
Rai Tagesschau
Alfred Königsrainer wollte man schon vor fast 20 Jahren als Primar der Bozner Chirurgie. Damals blieb er gerade einmal ein halbes Jahr. Zeit seiner beruflichen Laufbahn habe er Kranke geheilt oder versucht zu heilen, nun wolle er sich dafür einsetzen, dass weniger Menschen krank werden. Ein Behandlungsschwerpunkt des neuen Gesundheitszentrums in Meran ist die Prävention. Den Rücken habe er Südtirol nie gekehrt, auch wenn er in den 90-er Jahren nur ein halbes Jahr blieb.

Nach nur einem halben Jahr seine Stelle als Primar der Chirurgie Bozen zu verlassen, sei die beste Entscheidung seines Lebens gewesen, sagt Alfred Königsrainer. Trotzdem sei er weiterhin mit Südtirol verbunden geblieben: Erstens habe er immer wieder seine Familie im Passeiertal besucht und zweitens, habe er etliche Menschen aus der Heimat in Innsbruck oder danach in Tübingen behandelt. Außerdem sei der Kontakt zu den Kollegen in Südtirol nie abgebrochen, im Gegenteil.

Für seine Karriere sei der Wechsel von Bozen elementar gewesen. Er habe damals gemerkt, dass er noch nicht da angekommen ist, wo er hinwollte. Deshalb sei er an die Universität zurück und habe an mehreren Kliniken im Ausland (Hamburg, Belgien, London) gearbeitet. Das rate er auch jungen Medizinern. Es sei generell gut, so viel wie möglich gesehen zu haben. In einem Provinzkrankenhaus wie jenem in Bozen, habe man wenig Spielraum, um sich zu profilieren.

„Mediziner sind simple Menschen. Die möchten einfach arbeiten und weiterkommen.“

Alfred Königsrainer

Vor allem seien Mediziner Freigeister. Das sei in einem starren System vielfach ein Problem, weil man sich nicht realisieren könne. Als er 1995 das Krankenhaus Bozen verließ, empfand der heutige Experten für Transplantationschirurgie (Transplantation abdomineller Organe, Hepatobiliäre- und Pankreaschirurgie, Chirurgie der Peritonealkarzinose, Internventionelle Endoskopie) die Bürokratie als enormes Hindernis für sein Schaffen. Die Tatsache, dass die Bozner Klinik damals vom Gesundheitsministerium zu einem der besten Krankenhäuser Italiens gekürt worden war, sei für ihn ein Signal gewesen, dass sich an der Starre auch nichts ändern werde. Er habe nie aktiv an seiner Karriere „gebaut“, vielmehr sei er der Ansicht, dass die Karriere das Resultat guter Arbeit ist.

„Wenn man gut ist, ergibt sich die Karriere von selbst.“

Alfred Königsrainer

Die Entscheidung auch bei fortschreitender Karriere nicht zurück nach Bozen zu kommen, sei nicht aufgrund weiterer Karriereschritte gefallen. Generaldirektor Florian Zerzer hatte mehrfach um Königrainer geworben. Jetzt ist er dem Ruf des Deutschordens gefolgt, der das private Gesundheitszentrum St. Josef in Meran führt.

Zuvor habe er sich sehr wohl für die Medizin in Südtirol eingesetzt. Unter dem damaligen Landeshauptmann Luis Durnwalder habe er mehrfach eine Medizinische Fakultät in Südtirol angeregt. Er sei nach wie vor davon überzeugt, dass dies ein gutes Projekt geworden wäre, unterstreicht Königsrainer. Leider sei damals die Zeit dafür nicht reif gewesen, man habe das Ziel des Projektes missverstanden. „Wir wollten nicht, dass die Südtiroler Mediziner im Land bleiben, vielmehr wollten wir eine Öffnung, dass Mediziner aus anderen Ländern nach Südtirol kommen und die Zusammenarbeit besonders mit italienischen Universitäten oder mit Innsbruck und Salzburg fördern. Damit hätte man vielleicht dem riesigen Problem, dass nämlich heute vielfach Mediziner fehlen, vorbeugen können.

Auf dem Weg zur Zweiklassenmedizin?

Alfred Königsrainer ist nun Sanitätsdirektor der privaten St. Josef Klinik. Auch seine Expertise mag Auslöser für einige Ärzte sein, dass auch sie im Meraner Gesundheitszentrum tätig sind. Trägt Königsrainers Tätigkeit in der Privateinrichtung nicht zusätzlich zum Ärzte-und Pflegemangel in den öffentlichen Krankenhäusern bei? Wir damit nicht auch der Zweiklassen-Medizin Tür und Tor geöffnet. Die Reichen gehen in die Privatklinik, die Armen stehen in der Notaufnahme der unterbesetzten öffentlichen Krankenhäuser Schlange?

„Wir können nicht pauschal von einer Zwei-Klassenmedizin sprechen. Die Menschen und ihre Ansprüche an die medizinische Versorgung haben sich verändert.“

Alfred Königsrainer

Das sieht der 67-jährige ganz anders. Man könne nicht pauschal sagen, dass Privatkliniken eine Zwei-Klassen-Gesundheit vorantreiben. Das Ganze sei vielschichtig zu sehen. Wir nehmen niemandem jemanden weg. „Die Leute kommen und fragen, ob sie mit uns mitarbeiten können, das Team erweitern können.“ Man müsse das Thema aus anderer Sicht sehen. Das Thema Gesundheitsversorgung habe sich verändert und auch die Menschen hätten sich verändert, meint Königsrainer. Heute wolle man über sein Schicksal vielmehr selber bestimmen. PatientInnen wollten heute selbst bestimmen, wo und von wem sie sich behandeln lassen. Sie wollten aufgeklärt werden. Das gehe natürlich in einer privaten, kleineren Struktur wesentlich einfacher, als im öffentlichen Gesundheitssystem.

Das Thema Zwei-Klassenmedizin werde freilich auch in Deutschland diskutiert. Natürlich sei es so, dass da ein paar Reiche mehr für bestimmte Behandlungen zahlen können. Davon profitierten aber nicht nur die Reichen. Mit den Einnahmen würden z.B. kostspielige Geräte gekauft, die wiederum allen PatientInnen zugute kämen, unterstreicht Königsrainer.

Nur weil er jetzt Sanitätsdirektor eines privaten Gesundheitszentrums sei, bedeute das nicht, dass er mit dem Südtiroler Sanitätsbetrieb nichts mehr zu tun haben wolle. Er hoffe und baue auf gute Zusammenarbeit und regen fachlichen Austausch.
Wer ist Alfred Königsrainer?

Bis 2023 ist Königsrainer ärzlicher Direktor der Klinik für Allgemeine, Viszerale und Transplantationschirurgie, Universitätsklinikum Tübingen.
Zuvor war er stellvertretender Leiter der Klinischen Abteilung für Allgemein- und Transplantationschirurgie, Univ.-Klinik für Chirurgie, Universität Innsbruck

Lebenslauf
Alfred Königsrainer ist am 17. Februar 1955 in Moos in Passeier geboren.
Derzeit lebt er mit seiner Frau Franziska Grassl (Freischaffende Künstlerin) in Tübingen.
Sie haben drei Söhne.
Die Volksschule absolvierte er in St. Leonhard i. Passeier, danach wechselte er an die Adalbert Stifter-Schule in Bozen und die Oberschuljahre absolvierte er am Wissenschaftlichen Gymnasium-Lyzeum in Bozen (Matura 1974).
Anschließend studierte er Medizin an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck und promovierte 1979 zum Doktor der Allgemeinmedizin, danach folgte das italienische Staatsexamen in Bologna.
Weitere Etappen seiner Karriere waren das Istituto Scientifico „San Raffaele“ in Mailand
Südtirol: 1.7. – 31.12.1995 Landeskrankenhaus Bozen
Hamburg: Jänner und Februar 1996 Universitätskrankenhaus Eppendorf, Abteilung für Allgemeine Chirurgie
Brüssel: März 1996 Cliniques Universitaires Saint - Luc
London: April - Juni 1996 King´s College Hospital 

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