Tagesschau
28. Mai 2022 aktualisiert um 11:54
Gesellschaft

Private Bierbrauer

"Ich kümmere mich um mein eigenes Bier"

In Südtirol ist ein Trend angekommen: das eigene Bier brauen. Handwerklich hergestelltes Bier liegt im Trend.
Quelle © Rai Tagesschau Die Zahl der privaten Bierbrauer in Südtirol steigt seit Jahren
Die Zahl der privaten Bierbrauer in Südtirol steigt seit Jahren
Martin Bozzetta braut seit einem Vierteljahrhundert sein eigenes Bier. Begonnen hat es aus einer Idee heraus: "Ich habe gemeinsam mit einem Freund ein Test-Kit gefunden. Dann haben wir einmal probiert, wie das Bierbrauen funktioniert und sind dabei geblieben." Gebraut wird einmal im Monat - höchstens. Und dabei wird ordentlich experimentiert. Denn bei der Bier-Entwicklung sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Da kann es auch mal sein, dass Wein und Bier vermischt werden. 

Es war die Freude am Biertrinken, die Martin Bozzetta zum Heimbrauer gemacht hat. Um in den Genuss eines seiner Biere zu kommen, muss man Martin kennen, denn verkauft wird nichts. Das lässt die Gesetzgebung nicht zu. Und auch die von ihm gebrauten Mengen lassen keinen Verkauf zu. "Ich trinke das Bier gemeinsam mit Freunden. Es ist schon erstaunlich, wie viele Freunde man hat, wenn man selbst Bier braut," sagt Martin schmunzelnd. Dabei experimentiert er auch mit der Haltbarkeit. Es sei erstaunlich, sagt er, wie lange Bier bei richtiger Lagerung haltbar ist.

Immer mehr Heimbrauer

Der Kreis der privaten Bierbrauer wird immer größer. Es braucht Fleiß und Interesse, um zu einem zufriedenstellenden Ergebnis zu kommen. Und man muss sauber arbeiten - immerhin handelt es sich bei Bier um ein Lebensmittel. Die privaten Bierbrauer tauschen ihre Erfahrungen aus und helfen sich auch, wenn einer mitten im Brauvorgang feststellt, dass er zu wenig Hefe für das Projekt vorrätig hat. 

Heimbrauer haben einen großen Vorteil: sie können Bier nach dem eigenen Geschmack herstellen. Sie sind an keine Vorgaben gebunden. Was der Markt verlangt, das kann jedem Heimbrauer egal sein.

Wenn aus Hobby ein Beruf wird

Anders ist es, wenn man aus dem Hobby einen Beruf machen will. So wie Matthias Volgger. Er hat den Schritt gewagt und verkauft nun das, was er braut. Es ist ein Familienprojekt: Am Hof seines Schwiegervater wird Weizen, Gerste und Hopfen angebaut, alles, was man für ein gutes Bier braucht. Elf verschiedene Hopfensorten sind es derzeit. Jede gibt dem Bier eine besondere Note.

Der einstige Hobbybrauer hat sich weitergebildet. Er hat professionelles Brauen gelernt und gleichzeitig das Verkosten verfeinert. Er hat genaue Vorstellungen, wie sein Bier zu schmecken hat und er setzt diese Vorstellungen um. Er kann es sich leisten: immerhin braut er genug, um sein Bier zu verkaufen. 

Ordentliche Craft-Beer-Szene

Südtirols Craft-Bier-Szene ist in den vergangenen Jahren ordentlich gewachsen. Nicht nur, was die Anzahl an Kleinbrauereien betrifft, sondern vor allem auch was die Qualität angeht. Das sagt Hans Bombeke. Der Flame ist europaweit als Craft-Bier-Kenner bekannt. "Ich komme jedes Jahr nach Südtirol. Und jedes Jahr darf ich neue Biere verkosten. Die allermeisten davon sind gut."

Bombeke sieht, dass Bier als immer wertvolleres Genussmittel erkannt wird. Vorbei sind die Zeiten, in denen Bier als billiges Rauschmittel seine einzige Berechtigung hatte. Allerdings warnt Bombeke auch davor, dass Bier eine ähnliche Entwicklung wie der Wein nehmen könnte: "Ich bin doch nicht so blöd, für eine Flasche Bier 30 oder mehr Euro zu bezahlen. Auch wenn es das beste Bier der Welt wäre. Da müssen die Kunden schon ein bisschen aufpassen. Gutes Bier muss gut bezahlt werden, aber alles hat seine Grenzen," sagt der Flame.

Der Ideenaustausch auf Schloss Maretsch

Die Craft-Beer-Messe in Schloss Maretsch bezeichnen alle Teilnehmer als gute Gelegenheit, sich auszutauschen. Es gehe weniger darum, Bier zu verkaufen oder neue Kunden anzuwerben. Vielmehr wollen sich die Aussteller mit Gleichgesinnten treffen, Erfahrungen austauschen, sich weiterbilden. Denn bei der Bierherstellung ist sehr viel möglich. Was es braucht ist Geduld - und Phantasie. Denn das Geschmackspotential von Bier ist tatsächlich unbegrenzt.

petr

					

Leseempfehlungen


					

Mehr Artikel zu Gesellschaft