Tagesschau
01. Juli 2022 aktualisiert um 16:03
Wissenschaft und Technik

Umstrittene Seilbahn

Seilbahn Tiers steht weiter still

Die neue Seilbahn Tiers-Frommer Alm steht noch immer still, weil der Bau vom genehmigten Projekt abweicht. Einige Anpassungen wurden bereits vorgenommen, ob diese ausreichen, muss jetzt von Rechtsgutachten entschieden werden.
Quelle © Konsortium Skiarena Carezza Die Seilbahn von Tiers auf die Frommer Alm steht weiter still.
Die Seilbahn von Tiers auf die Frommer Alm steht weiter still.
Das Skigebiet Carezza Dolomites warb schon vergangenen Sommer für die neue Aufstiegsanlage von Tiers auf die Frommer Alm, mit den Worten: „Autofreies Erleben des Hochplateaus unterm Rosengarten mit einer für Südtirol einzigartiger Cabrio-Bahn.“
 
Das Erleben hatte ein rasches Ende, denn kurz nachdem die Bahn Anfang Februar 2022 in Betrieb ging, wurde der Betrieb wieder eingestellt. Der Grund dafür: Die Seilbahn fuhr ohne die notwendige Bezugsgenehmigung.

Die Hintergründe  

Im September vor drei Jahren wurde die Seilbahn von St. Zyprian auf die Frommer Alm genehmigt. Im Herbst 2020, also ein Jahr, wurde das Projekt genehmigt. Baubeginn war im Frühjahr 2021 und die erste Fahrt erfolgte schließlich heuer im Februar.

Das allerdings war ein kurzes Vergnügen, denn schon bald verdunkelten rechtliche Schatten das Panorama-Bahn-Projekt: Die Tal- und Bergstation der Bahn wurden größer gebaut, als vorgesehen. Die Gemeinde Tiers hatte deshalb gut einen Monat später angeordnet, den Seilbahnbetrieb einzustellen.

Es bestehe weder eine Bezugsfertigkeit für die Talstation noch sei eine Betriebsbewilligung ausgestellt worden, begründete vor genau drei Monaten der Tierser Bürgermeister, Gernot Psenner. Die Gemeinde hat ein Verwaltungsverfahren eingeleitet, das eine Geldbuße, für die nicht genehmigte Nutzung des Gebäudes vorsieht.

Wer entscheidet über die Zukunft der Seilbahn? 

Nun liegt die Angelegenheit offenbar bei der Dienststellenkonferenz für den Umweltbereich. Befasst haben sich mit der rechtlichen Frage sowohl das Amt für Landschaftsplanung, das Forstamt sowie jenes für Gewässernutzung, weil die Bergstation in einem Trinkwasserschutzgebiet liegt.

Informationen erteilt das Amt für Umweltverträglichkeitsprüfung: Würde noch das alte Raumordnungsgesetz gelten, hätte man die Pläne angleichen können und mit einer Geldstrafe wäre mehr oder weniger alles getan gewesen. Zumal die Größe der Seilbahnstationen nicht enorm von den Plänen abweiche.

Es sei auch nicht ungewöhnlich, dass sich innerhalb der Bauphase herausstellt, dass ein Projekt abgeändert werden muss. Mit dem neuen Gesetz für Raum und Landschaft seien solche nachträglichen Korrekturen rechtlich nicht mehr zulässig. Deshalb versucht man auf anderem Wege die Bahn wieder in Betrieb zu nehmen.

Vorerst fahren Busse 

Das Amt für Landschaftsplanung informiert, dass die als zu groß beanstandeten Flächen verkleinert wurden. Die Bereiche der Seilbahnstationen, die benutzt werden, wurden verkleinert, allerdings ohne Mauern abzureißen. Ob diese Maßnahme ausreicht, müssten jetzt Rechtsexperten entscheiden. Bis dahin werden, wie in den vergangenen Jahren, die Busse fahren, sagt der Tierser Bürgermeister Gernot Psenner. 
 
Die finanzielle Dimension des Projektes: Die Gesamtinvestition für das Projekt umfasst 15,8 Millionen Euro. Den Löwenanteil von über 11 Millionen Euro wird mit Steuergeldern finanziert. Die Betreiber, die Tierser Seilbahn AG, haben erst einen kleinen Teil der öffentlichen Finanzierung erhalten. Der Großteil der Finanzierung folgt, sobald die Unklarheiten über die Bauabweichungen geklärt sind. 

(et/ge)

					

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