Tagesschau
11. August 2022 aktualisiert um 18:41
Wirtschaft und Arbeit

Krieg in Europa

Das tut Italien, um steigende Gaspreise zu verhindern

Von mehreren Seiten drohen höhere Gaspreise. Wirtschaftsminister Cingolani möchte das verhindern. Auf mehreren Wegen.
Quelle © Rawpixel Während der Wartungsarbeiten kann in einer Pipeline kein Gas geliefert werden.
Während der Wartungsarbeiten kann in einer Pipeline kein Gas geliefert werden.
Russland liefert derzeit rund 15 Prozent weniger Gas nach Italien als vor dem Ukrainekrieg. Nach Worten von Minister Roberto Cingolani nimmt Italien das nicht einfach hin. Italien versorgt sich aber über die zur Verfügung stehenden Quellen und legt Reserven an, um im Notfall Durststrecken überbrücken zu können. So ist es in den letzten 24 Stunden gelungen, mehr Gas zu speichern, als verbraucht worden ist. 

Damit konnten in nur einer Woche die Gasspeicher Italiens um 5 Prozentpunkte von 55 auf 60 Prozent gefüllt werden. Eine Füllung von 90 Prozent würde bedeuten, dass genügend Gas vorhanden ist, um den Winter zu überstehen. 

Wartungsarbeiten an Nord Stream 1 

An der Gaspipeline Nord Stream 1 sind Wartungsarbeiten nötig. Daher wird der Gasfluss ganz abgestellt. Die Wartungsarbeiten sollen vom 11. bis zum 21 Juli dauern. 

Unklar ist, wie es anschließend weitergeht. Nord Stream 1 gehört zu 51 Prozent dem russischen Gaskonzern Gazprom. Unter den Fachleuten geht daher die Befürchtung um, dass Gaslieferungen künftig ganz ausbleiben könnten. 

Sorge wegen steigender Energiepreise 

Minister Cingolani zeigt sich beunruhigt darüber, dass die ausbleibenden Gaslieferungen bereits während der Wartungsarbeiten den Gaspreis nach oben treiben könnten. Italien reagiert darauf, indem es einerseits die Lücke mit anderen Anbietern zu schließen trachtet. So kommt etwa mehr Gas aus Algerien oder über die Transadria-Pipeline aus Aserbaidschan. 

Italien verfolgt aber eine weitere Strategie: Schon länger macht die Regierung Druck, einen Gaspreis-Deckel einzuführen. Zu Beginn gab es wenig Befürworter, doch jetzt wird daran gearbeitet. Dieser Deckel soll zumindest in Europa gelten, aber auch die USA denken zuletzt offenbar in diese Richtung. Ein Gaspreisdeckel wäre auch deshalb wichtig, weil ein steigender Gaspreis auch auf den Strompreis wirkt. 

Für ein einzelnes Land wäre ein Höchstpreis für Gas keine Lösung. Die Lieferanten würden dann an Länder liefern, die höhere Preise für das Gas zahlen.

pm/ansa

					

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