Tagesschau
05. Oktober 2022 aktualisiert um 20:04
Gesellschaft

Wassernotstand

Bauern zahlen am wenigsten fürs Wasser

Die Landwirtschaft braucht das meiste Wasser, viele Obstbauern zahlen dafür aber nur 100 Euro im Jahr. Das wird zumindest für Neiddiskussionen sorgen.
Quelle © www.bonikons.it Oberkronenbewässerung
Oberkronenbewässerung
Wenn eine Ressource knapper wird, dann stellt sich eine Gesellschaft plötzlich Fragen, wie man weniger verbrauchen kann und wer wie viel dafür bezahlen soll. Das gilt ganz aktuell fürs Wasser, denn seit Donnerstag 14. Juli herrscht in Südtirol offiziell Wassernotstand. 

Den Preis fürs Wasser bestimmt die Politik

Laut offiziellen Angaben verbraucht die Landwirtschaft 50 Prozent des Wassers in Südtirol. Wasser für die Landwirtschaft ist lebensnotwendig, denn die Hälfte der Speisen, die täglich auf unserem Teller landen, würde es sonst nicht geben. Bauern müssen für das Wasser deutlich weniger zahlen als andere Verbraucher. Den Preis bestimmt die Politik. "Ein Beschluss der Landesregierung aus dem Jahr 2020 sieht vor, dass Bauern für den Obst- und Weinbau zwischen 60 und 70 Euro pro Hektar im Jahr zahlen müssen", erklärt der Direktor im Amt für nachhaltige Gewässernutzung, Thomas Senoner. 

Wasserrechnung bei den meisten Bauern unter 200 Euro

Rund 7000 Obstbaubetriebe gibt es in Südtirol. Die meisten Bauern bewirtschaften zwei bis drei Hektar. Damit zahlen sie für das Wasser zur Bewässerung nicht mehr als 200 Euro. Setzen sie statt der Oberkronenbewässerung ein wassersparendes System wie die Tropfbewässerung ein, bekommen sie laut Senoner Ermäßigungen.

Wer zahlt wie viel?

Damit zahlen Landwirte für das Wasser 14 Mal weniger als die Industrie. Skigebiete zahlen sogar 60 Mal mehr. Und was ist mit Wassergebühren für Private? Die sind von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich geregelt. Wer ein Reihenhaus mit Garten besitzt, muss unter Umständen auch mehr als 1.000 Euro im Jahr an Wassergebühren hinblättern - trotz deutlich geringerem Verbrauch als in einem Obstbaubetrieb. 

Wassernotstand steigt von "mittel" auf "hoch"

Wegen des niedrigen Pegels der Etsch im Mündungsbereich, ist der Wassernotstand in Südtirol von der Stufe "mittel" auf "hoch" angehoben worden. Das teilte der Leiter der Landesumweltagentur, Flavio Ruffini, mit. In den kommenden zehn Tagen wird aus Südtirols Stauseen kontinuierlich Wasser abgelassen. Ziel ist es, an der Etsch-Mündung bei Boara Pisani eine Mindestwassermenge von 80 Kubikmeter pro Sekunde zu gewährleisten. Im Mündungsbereich droht das Trinkwasser wegen des niedrigen Pegels zu versalzen. Auch für die Bewässerung ist das salzige Wasser unbrauchbar.

Bewässerungsverbot in den "Sonnenstunden"

Für die Bürger ändert sich nichts. Private und öffentliche Grünanlagen dürfen bis auf Widerruf zwischen 9 und 20 Uhr nicht bewässert werden. Für die Landwirtschaft gilt das Bewässerungsverbot für Oberkronenbewässerung von 10 bis 18 Uhr. Ausgenommen sind jene Betriebe, die auf eine Turnusbewässerung angwiesen sind.

mk






















 


					

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