Tagesschau
09. Dezember 2022 aktualisiert um 19:40
Gesundheit

Spielsucht

Vom Rubbellos direkt in die Spielsucht - Experten raten zur Vorsicht

Die Wahrscheinlichkeit, mit Rubbellosen zu gewinnen, ist äußerst gering, aber das Risiko, spielsüchtig zu werden, groß - gerade in Krisenzeiten.
Quelle © Ansa  Vom
Vom "Gratta e vinci"-Rubbellos zur Spielsucht: die Grenzen sind fließend.
Der 5-Millionen-Euro-Gewinn in Lana könnte weitere Menschen dazu anspornen, ebenfalls zu spielen und spielsüchtig zu werden - davon ist die Psychotherapeutin im Therapiezentrum Bad Bachgart, Doris Thaler, überzeugt. Denn gerade in Krisenzeiten und finanziellen Notsituationen sei die Versuchung groß, ebenfalls dieses Glück zu versuchen.

Ein Teufelskreis

"Man hofft, mit einem großen Rubbellos-Gewinn die finanziellen Probleme lösen zu können - aber gerade das Gegenteil passiert", erzählt Thaler: Man gerate in finanzielle Nöte - gepaart mit familiären oder beruflichen Problemen. Der Verlust des Arbeitsplatzes und die Schuldensituation treiben einen erst recht wieder zum Spielen und in die Spielsucht, erläutert die Therapeutin. 





Ob "Gratta e vinci"-Rubbellos oder Slot-Maschine - beim Glücksspiel gehe es immer um eine Wechselwirkung von Anspannung und Entspannung, erläutert die Therapeutin. Dies errege die Personen und führt zu guten Gefühlen. Menschen, die spielen, sind meist neugierig und brauchen dieses Kribbeln, sagt Thaler, und natürlich gebe es immer die Hoffnung auf Gewinn, die manchmal sehr gefährlich sein könne. Denn Gewinne könnten dazu führen, dass man das Spielen fortsetzt und so ein Risiko für Abhängigkeit entsteht.

Bei Slot-Maschinen die Kontrolle verloren

So geschehen bei einem Patienten, der derzeit in Behandlung sei und über Rubbellose spielsüchtig geworden sei, berichtet Thaler: Er habe zuerst große Gewinne mit Rubbellosen gemacht und dann begonnen, in Spielhallen mit Slot-Maschinen zu spielen und dort habe er dann die Kontrolle verloren. 

Heilung von Spielsucht gibt es übrigens nicht, stellt die Therapeutin klar. Es gehe vielmehr darum die Spielsucht in den Griff zu bekommen, und das gehe nur, wenn die Betroffenen gar nicht mehr spielen, also keine Glücksspielform mehr betreiben, und Alternativen zum Glücksspiel finden - was eine große Herausforderung sei. 

In Südtirol gibt es verschiedene Beratungsstellen und Therapieangebote für Menschen mit Spielsucht. Die erste Anlaufstelle ist der Dienst für Abhängigkeitserkrankungen.

vv/mm

					

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