Tagesschau
05. Dezember 2022 aktualisiert um 18:55
Politik und Institutionen

EU-Parlament stimmt für eine neue Wolfs-Politik

Die EU-Kommission wird zum Umdenken aufgefordert. Dorfmann: "Die Wolfspopulation nimmt zu, also müssen auch Entnahmen möglich sein".
Quelle © pixabay
Das EU-Parlament will einen effizienteren Schutz vor Wolf und Bär. In der verabschiedeten Resolution wird die EU-Kommission aufgefordert, die Wolfstrategie europaweit neu zu bewerten. Der Wolf sei dank der Schutzmaßnahmen der letzten Jahrzehnte nicht mehr vom Aussterben bedroht, sagte der EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann im Plenum. Die entsprechenden Zahlen soll ein grenzüberschreitendes Monitoring bringen.

Dorfmann realistisch 

Trotz des heutigen Erfolges bleibt Herbert Dorfmann realistisch: "Unsere Forderungen lösen das Problem zwar nicht, sie sorgen aber dafür, dass sich die EU-Kommission mit dem Thema befassen muss“, sagte Dorfmann, "dann kommt es hoffentlich endlich zu einem Umdenken.“

Auch Entnahmen müssen möglich sein

Eine zweite Forderung ist, die besondere Situation der Berggebiete anzuerkennen. In den Bergen gebe es traditionelle Alm- und Weidesysteme, die besonders anfällig für Raubtierrisse sind. Solche traditionellen Besonderheiten müsse die EU anerkennen und entsprechende Ausnahmeregelungen zulassen. „Diese Ausnahmen müssen so weit reichen, dass auch Entnahmen möglich sind“, sagte Dorfmann. „Weil die Population großer Beutegreifer in Europa konstant wächst, dürfen Entnahmen kein Tabu mehr sein. Sie sind vielmehr sinnvoll und notwendig.“



Die Abgeordneten fordern die EU-Kommission auf, die Habitat-Richtlinie zu überarbeiten, mit der der Schutz bedrohter Arten geregelt ist. Auf Antrag von Herbert Dorfmann wurde diese Forderung in die Resolution aufgenommen. „Die Kommission steht nun unter Druck, diese Forderung bei einer Neufassung der Wolfstrategie zu berücksichtigen.“

Wer zahlt Entschädigungen?

​Nicht zuletzt fordert das EU-Parlament in seiner Resolution „angemessene und langfristige“ Finanzierungsmöglichkeiten von Maßnahmen zur Prävention von Wolfsrissen. Und sollte es trotzdem zu solchen Rissen kommen, müssten diese angemessen entschädigt werden. „Die notwendigen Gelder dürfen aber nicht aus dem Agrarhaushalt entnommen werden, weil dadurch die Bauern mit eigenen Mitteln für ihre Schäden aufkommen müssten“, erklärt Dorfmann. Er ergänzt: „Wenn die Allgemeinheit glaubt, es brauche in unserem Kultur- und Naturraum große Beutegreifer, dann muss sie auch für die daraus entstehenden Kosten aufkommen.“ Die Finanzierung des Beutegreifer-Managements, von Schutzmaßnahmen und Entschädigungen für Risse müssten daher aus dem allgemeinen Steuertopf kommen.

af 

					

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