Tagesschau
05. Dezember 2022 aktualisiert um 19:57
Schule

Südtirol

Schulgewerkschafterin Nock: „Zähneknirschend zugestimmt“

Lehrpersonen an staatlichen Schulen in Südtirol erhalten mehr Geld. Ausgeglichen wird der Gehaltsunterschied zu den Lehrern an Landesschulen dadurch allerdings nicht.
Quelle © Rai Tagesschau Schulgewerkschafterin Petra Nock (ASGB)
Schulgewerkschafterin Petra Nock (ASGB)
Rund 10.000 Lehrpersonen im Land dürfen sich freuen. Für sie gibt es Dank des neuen Teilvertrages fürs laufende Jahr mehr Geld. Lehrer in Vollzeit bekommen laut den Berechnungen der Gewerkschaften pro Jahr rund 1.000 Euro netto mehr. Das gilt für Lehrkräfte an staatlichen Schulen. Damit sollen die niedrigeren Gehälter der Lehrpersonen an den Grund- Mittel- und Oberschulen an jene der Lehrer an den Landesschulen angepasst werden. Dass die Gewerkschaften auf die Landesregierung dennoch nicht gut zu sprechen sind, hat einen einfachen Grund: 180.000 Euro brutto.
 
So viel bekommt eine Grundschul-Lehrerin weniger als eine beispielsweise eine Musikschul-Lehrerin, wenn sie nach 42 Jahren in Pension geht. So haben es jedenfalls die Gewerkschaften errechnet. Auch Lehrkräfte an Mittel- und Oberschulen verdienen weniger als Lehrer an Landesschulen. Um diese Unterschiede aufzuheben, kämpfen die Schulgewerkschaften seit Jahren, denn immerhin sind es rund 10.000 Lehrkräfte an den staatlichen Schulen, die im Vergleich zu den rund 2.000 Lehrkräften an Berufs- Musik oder Fachschulen weniger verdienen.

Aussage vom LH sorgt für Empörung 

Deshalb habe man dem Teilvertrag auch nur zähneknirschend zugestimmt, wie es Petra Nock, die Vorsitzende der Schulgewerkschaft im ASGB formuliert. Ein Verhandeln auf Augenhöhe sei nicht mehr möglich. Das Fass zum Überlaufen gebracht hätte am Ende eine Ansage des Landeshauptmanns, sagt Nock: „Da sagte der Landeshauptmann dann, dass im Vertrag verschriftlicht werden müsste, dass nur unter der Bedingung, dass in der nächsten Zeit die Arbeitszeit verhandelt wird, neue Geldmittel locker gemacht werden.“
 
Drei der vier Schulgewerkschaften haben dem Teilvertrag trotzdem zugestimmt, auch weil die vom Land geforderte Erhöhung der Arbeitszeit nur in einer Protokoll-Erklärung behandelt wird und auf die Verhandlung des eigentlichen Kollektivertrages vertagt wurde. Der Teilvertrag sieht unter anderem ein neues Lohnelement vor, genannt Landesberufszulage. „Durch diese Landesberufszulage erhalten die Lehrpersonen rückwirkend ab Januar einen Betrag von 189,60 Euro“, erklärt Schulgwerkschafterin Nock.

Thema Arbeistzeit vertagt 

Brutto versteht sich. Weil von diesem Betrag das alte Lohnelement noch abgezogen werden muss, erhält eine Lehrperson in Vollzeit heuer zusätzlich rund 1.000 Euro netto. Das neue Lohnelement wird durch 4,5 Millionen Euro aus dem Nachtrags-Haushalt finanziert. Ab dem kommenden Jahr fällt das neue Lohnelement allerdings etwas geringer aus.
 
Die wichtigste Verhandlung - nämlich jene des Kollektivvertrags für das Triennium 2022 bis 2024 steht noch aus. Dann kommt das Thema Arbeitszeit definitiv auf den Tisch. Das Land will die Wochenstunden von Lehrpersonen an Grund-, Mittel und Oberschulen von 20 auf bis zu 28 erhöhen.

"Wer sich an den Schulen umhört weiß, dass die meisten Lehrpersonen bereits am Limit sind.“

ASGB-Schulgewerkschafterin Petra Nock
Zur Erklärung: Im Kollektivvertrag ist derzeit festgelegt, dass eine Unterrichtsstunde aufgrund der Vor- und Nachbereitung 1,9 Arbeitsstunden entspricht. Heißt: 20 Unterrichtsstunden kommen einer 38-Stunden-Woche gleich. Die Schulgewerkschafterin Nock sagt nicht grundsätzlich Nein zu Verhandlungen über die Arbeitszeit. Sie befürchtet aber vor allem einen Qualitätsverlust und zusätzliche Belastung.
 
„Eine zusätzliche Belastung können wir nicht zulassen. Wer Augen und Ohren hat und an den Schulen sich umhört, der weiß dass die meisten Lehrpersonen bereits am Limit sind.“ Deshalb müsse man den Mut haben und den Vertrag als Ganzes zu überprüfen und auch wieder einmal etwas zu reduzieren, betont die Gewerkschafterin.
 
Die Landesregierung hat für die Verhandlungen 60 Millionen Euro reserviert, also 20 pro Jahr. Viel zu wenig, sagt Nock, um die Ungleichbehandlung unter den Lehrkräften in Südtirol auszugleichen.
 
al/mk

					

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