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30. Jänner 2023 aktualisiert um 19:50
Wirtschaft und Arbeit

Presse

"Süddeutsche" prangert Pestizid-Einsatz in Südtirols Obstanbau an

"Das Gift auf dem Apfel" titelt heute die "Süddeutsche Zeitung" über Südtirols Obstanbau. Gemeinsame Recherche mit dem Bayerischen Rundfunk.
Quelle © Rai Tagesschau Die
Die "Süddeutsche Zeitung" widmet dem Obstanbau in Südtirol ihre kritische Titelgeschichte.
Auf diese prominente und großformatige Berichterstattung würden Südtirols Touristiker wohl gern verzichten: Die "Süddeutsche Zeitung" widmet dem Obstanbau in Südtirol und dem Einsatz von Pestiziden ihre heutige Titelgeschichte und im Innenteil eine Doppelseite. Grundlage für die Geschichte ist eine gemeinsame Recherche mit dem Bayerischen Rundfunk, der darüber online auf www.tagesschau.de berichtet.

Basierend auf einem laut der "Süddeutschen Zeitung" noch nie veröffentlichten detaillierten Datensatz mit den vertraulichen Betriebsheften von 681 Südtiroler Obstbauern schreibt die Zeitung über den "extrem hohen Einsatz von Pestiziden im Apfelanbau".

"Spritzen fürs Geschäft"

Titelseite und Doppelseite tragen ein vielsagendes Schwarzweiß-Bild eines Apfels, der mit gelber Substanz besprüht wird. Und auch die verwendeten Überschriften und Zwischentitel sind markant: "Das Gift auf dem Apfel", "Spritzen fürs Geschäft", "Apfel-Kosmetik" und "Völlig unklar ist, wie die Chemikalien untereinander reagieren".    

Eine Sprecherin des Südtiroler Apfelkonsortiums wird hingegen zitiert mit den Worten "Wir setzen Pflanzenschutzmittel gezielt, sparsam und punktgenau ein."

"Eine Bauernfamilie kämpft"

Ein eigener Artikel mit der Überschrift "Eine Bauernfamilie kämpft" ist der Familie Gluderer aus Goldrain gewidmet, die ja einen Öko-Betrieb führen, der zum Zankapfel wurde.

Eine Infografik zeigt, welche Chemikalien versprüht werden, sortiert nach den Wirkspektren, deren Namen allein schon beeindrucken: Akarizide, Fungizide, Herbizide, Kaolin, Netzmittel, Rodentizide und Wachstumsregulatoren.

Als letztes "Häppchen" betont die "Süddeutsche Zeitung", dass jeder Deutsche im Jahr 24,4 Kilogramm Äpfel konsumiert.

"Gespritzt und 'naturnah'?"

Auch das Online-Portal www.tagesschau.de berichtet heute zu diesem Thema unter dem Titel "Gespritzt und 'naturnah'?". Grund für die zeitgleiche Bericherstattung von Zeitung und Portal ist die gemeinsame Recherche von Datenjournalisten des Bayerischen Rundfunks und der "Süddeutschen Zeitung", die einen Einblick in Spritztagebücher von Vinschgauer Apfelbauern bekommen. 

Das Online-Portal betont, dass die Wahrscheinlichkeit hoch sei, in deutschen Supermarktregalen Äpfel aus Südtirol zu finden. Denn jeder zehnte Apfel in der EU komme aus Südtirol und der Großteil der Ernte werde nach Deutschland exportiert. 

"2017 im Vinschgau: 590.000 Spritzeinsätze"

Die Datenjournalisten haben 681 Betriebshefte aus dem Jahr 2017 ausgewertet, alle aus dem Vinschgau, wo etwa die Hälfte der Südtiroler Anbaufläche bewirtschaftet wird, wie www.tagesschau.de schreibt. Für ganz Südtirol seien die Ergebnisse daher nicht repräsentativ.

Insgesamt seien 590.000 Pestizideinsätze in nur einer Saison dokumentiert. Die Analyse zeige außerdem, dass zwischen März und September kein einziger Tag verging, an dem im Vinschgau nicht gespritzt wurde. 

ds   

 

					

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