Bergrettung

BRD-Chef Winkler: „Wir fordern gutes Bergsteigen ein“

Der Landesverband der Bergrettung im AVS wird 75: Ein Gespräch mit BRD-Chef Ernst Winkler über die Anforderungen an die Retter und ihre neuen Einsätze am Berg.

BRD-Chef Winkler: „Wir fordern gutes Bergsteigen ein“
BRD
Die Bergrettung in Südtirol wird 75 Jahre alt: Am 6. März 1948 ist der Landesverband der Bergrettung gegründet worden. Anlässlich dieses Jubiläums hat Rai Südtirol mit Bergrettungschef Ernst Winkler gesprochen.
 
Herr Winkler, gibt es in Südtiroler nur die Bergrettung im AVS oder gibt es noch andere Vereinigungen?

„Wir haben 35 Rettungsstellen im AVS und dann ist noch der CNSS, das italienische Pendant, das 22 Rettungsstellen betreibt.“
 
Wie sind die Rettungsstellen geographisch im Land aufgeteilt?

„Von Gebieten her ist es so, dass wo wir sind, sind wir vom AVS meist allein. Der CNSS ist im Hochabtei und im Gadertal allein vertreten. In den größeren Städten wie Bozen, Brixen, Meran und Sterzing sind beide Vereinigungen vertreten. In Gröden hingegen bilden beide Rettungsgruppen die bekannte Rettungseinheit „Catores“.
 
Werden alle Rettungseinsätze über die Notrufnummer 112 aktiviert?
 
Ja, von 1993 bis zum Jahr 2019 galt die alte Notrufnummer 118. Dann kam die einheitliche Notrufnummer 112. Auch die Einsätze der Bergrettung werden seit vier Jahren über diese Nummer aktiviert.
 
Einige lokale Bergrettungsdienste entstanden also schon vor dem Landesverband. Welche Bergrettungsstelle ist denn die älteste bei uns?
 
Die ältesten sind Bozen, Sterzing und Meran. Die großen Städte haben die Alpenvereinssektionen gehabt. Damals galt die Empfehlung des Deutschen Alpenvereins, Rettungsstellen zu gründen, weil man gesehen hat, dass der Bergtourismus zunimmt. Bei jeder größeren Alpenvereinssektion sollte deshalb eine Bergrettungsstelle angesiedelt sein.
 
Welche verschiedenen Aufgaben übt denn der Bergrettungsdienst heute aus?

Unsere Hauptaufgabe ist es, dort zu retten, wo der normale bodengebundene Rettungsdienst nicht mehr hinkommt, also die Rettung im unwegsamen Gelände. Die Einsatzarten haben sich mit der Zeit geändert. Heute gibt es auch Einsätze wegen Paraglider oder verunglückter Pilzesucher. Wir retten auch im Winter. Da ist die Saison für uns länger geworden, weil man im Unterschied zu früher heute den ganzen Winter über Skitouren geht und nicht mehr nur im Frühjahr.
 
Die Ausbildung zum Bergretter ist kein Honigschlecken. Welche Voraussetzungen brauche ich, um da mitzumachen?

Ich muss mindestens 18 Jahre alt sein und das Bergsteigen ein bisschen mitbringen. Da wird auch drauf geschaut – wir bewerten das. Wir können es uns leisten, etwas schwierigere Touren zu fordern, weil wir gut aufgestellt sind. Wir lernen das Bergsteigen nicht mehr, sondern fordern das schon ein. Bei uns lernt der Bergretter nur mehr die bergungstechnischen Details. Es sind ungefähr 20 Ausbildungstage, bis man ein vollwertiges Mitglied ist.
 
Der Bergrettungsdienst ist freiwillig und kostenlos. Kann das so bleiben bei – gefühlt – so vielen Unfällen mittlerweile?

Der Bergrettungsdienst ist von den Statuten her ehrenamtlich organisiert. Wir gehören dem sogenannten Dritten Sektor an und sind deshalb so aufgebaut. Wir haben zwar vier Festangestellte, im Sekretariat und zur Bewältigung der Bürokratie, aber ansonsten sind wir ehrenamtlich organisiert.
 
Es gab heuer einige riskante Rettungen und brenzlige Situationen. Auch auf österreichischer Seite hört man, dass Rettungseinätze nicht gemacht wurden. Wie sieht es hierzulande aus?

Das ist bei uns auch so. Der Eigenschutz steht an erster Stelle. Aber das Thema, dass wir gar nicht rausgehen weil es zu gefährlich ist, wurde zuletzt breitgetreten. Aber die Entscheidungsträger gehen da sehr professionell vor.
 
Sie selbst stehen seit 2015 dem Bergrettungswesen im AVS als Präsident vor. Es stehen Neuwahlen an. Werden Sie weitermachen?
 
Ja, ich werde als Präsident weiter machen. Wir haben zuletzt einige Projekte angestoßen, wie die die ICAR-Tagung, die im Herbst wieder stattfindet und die wir in Südtirol ausrichten. Und ich finde, Angefangenes soll man weiter machen.
 
Ihr Wunsch für die nächsten Jahre?

Der Wunsch ist eigentlich immer der, dass immer alle Bergretter gut wieder nach Hause kommen – sei es bei Einsätzen aber auch in der Freizeit. Und ich wünsche mir insgesamt etwas weniger Einsätze.
 
Interview: Gertrud Prenn

hp