"Das Geschäft mit der Angst" - Die Reaktion von Florian Zerzer

"Ich habe immer nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, immer mit offenen Karten gespielt - ich würde Entscheidungen heute wieder so treffen"

"Das Geschäft mit der Angst" - Die Reaktion von Florian Zerzer
Rai Tagesschau
Florian Zerzer reagiert auf das Buch "Das Geschäft mit der Angst"

"Ich bin und war verantwortlich für mehr als 10.500 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in dieser Krisenzeit. Das war keine leichte Aufgabe. Ich bin heute wie damals überzeugt, ich habe meine Arbeit gemacht, unter großem Druck und großer Verantwortung, das war und ist stets mein Ziel." So die erste Reaktion des Generaldirektors im Sanitätsbetrieb Florian Zerzer. Er ist eine der Hauptfiguren im Buch "Das Geschäft mit der Angst" von Artur Oberhofer und Christoph Franceschini. Die Vorwürfe sind viele, sie reichen von Absprachen mit Unternehmen, Verschleierung von Sicherheitsmängeln bei Masken und Schutzausrüstung, bis zu Etikettenschwindel, bzw. zumindest das Wissen darüber. Im Interview mit Rai Südtirol reagiert Zerzer und weist die Vorwürfe zurück.

  • Wie ging man mit nicht zertifizierten Masken/Schutzkleidung um? 

Rai Tagesschau: Im Buch steht, sie wussten, dass die Masken schrott sind…

Florian Zerzer: “Das stimmt so nicht. Erstens gab es keine Alternativen. Ich habe mehrmals meine Mitarbeiter darauf hingewiesen, wir werden dieses Material verwenden, wenn wir nichts anderes zur Verfügung haben. Das ist der zentrale Punkt, wir hatten damals keine andere Wahl. Weltweit war der Markt leergefegt, die Alternative war: Haben meine Mitaqrbeiter Schutzkleidung, oder gehen sie ohne Schutz in die Zimmer der Patienten. International wurden Kliniken geschlossen, die Versorgung brach teilweise zusammen, weil es keine Schutzkleidung gab, das wollten wir vermeiden. Die Schutzkleidung war zum Teil gut, zum Teil nicht so gut.”

  • Wurden Mitarbeiter über fehlerhafte Schutzausrüstung informiert?

Wussten die Mitarbeiter Bescheid, dass die Schutzkleidung mangelhaft war? Denn das geht aus Passagen im Buch hervor.

F.Z.: "Wir haben immer mit offenen Karten gespielt. Noch am selben Tag, als ich das erste Gutachten erhalten habe, haben wir mit den Experten beraten, wie dieses Gutachten zu interpretieren ist. Dann haben wir die Mitarbeiter in einem Rundschreiben informiert: Achtung, es scheint ein Problem bei der Passgenauigkeit der Masken zu geben. Bitte achten Sie darauf, im Notfall nehmen Sie eine andere Maske, oder nehmen sie zwei. Ich möchte auch betonen, damals gab es bei allen Lieferungen, auch von europäischen Produzenten, schadhafte Lieferungen, die wir auch "ausmerzen" mussten, denn damals musste man, wie gesagt, nehmen was verfügbar war. 
Das erste Gutachten der Wehrtechnik sagte ganz konkret, einige dieser Masken sind sogar besser als der Standard FFP2, einige sind nicht gut. Deswegen diese Analyse und diese Reaktion von uns."

  • Wurden Ausschreibungen auf Unternehmen zugeschnitten?

Ein weitere Passage im Buch behandelt den Versuch, eine Ausschreibung passgerecht auf ein Unternehmen zuzuschneiden, damit das Unternehmen, das Geld vorgestreckt hatte, wieder zu seinem Geld kommt…

F.Z.: “Interessanterweise wurde dieses Unternehmen bei der Ausschreibung ausgeschlossen. Evidenterweise ist das nicht passiert, was man hier behauptet, ich bin gespannt zu sehen, welche Beweise die Autoren hier vorbringen, denn das Gegenteil ist passiert, das Unternehmen wurde ausgeschlossen.”

  • Gab es gefälschte Zertifikate?

Bei Gutachten sollen hochrangige Mitarbeiter von Ihnen gemogelt haben - was sagen Sie dazu?

F.Z.: “Ich bin überzeugt, dass das nicht passiert ist. Diese Vorwürfe stehen im Raum, ich kann dazu nichts genaueres sagen, aber ich habe absolutes Vertrauen in die Mitarbeiter, die damals in diesem Stab mit mir zusammengearbeitet haben.”

  • Würden Sie die Entscheidungen so wieder treffen?

F.Z.: "Ich würde die Entscheidungen heute wieder so treffen, weil ich nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt habe. Die Entscheidungen waren zum Schutz unserer Mitarbeiter und zum Schutz unserer Patienten.

  • Befürchten sie Rücktrittforderungen?

F.Z.: “Damit rechne ich. Das wird in dieser Zeit sicher passieren. Ich bin aber überzeugt, das ich meine Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen erledigt habe.”