Südtirols Jugend konsumiert immer mehr Drogen

Der Drogenkonsum in Südtirol hat nach der Covid-Pandemie zugenommen. Der Dienst für Abhängigkeitserkrankungen führt deutlich mehr Erstvisiten.

Südtirols Jugend konsumiert immer mehr Drogen
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Der Drogenkonsum in Südtirol hat seit der Covid-Pandemie zugenommen.

Nach der Covid-Pandemie ist der Drogenkonsum bei Jugendlichen in Südtirol deutlich angestiegen, haben Experten festgestellt. „Konkrete Zahlen zu nennen ist schwierig, da die Dunkelziffer enorm ist“, heißt es vom Dienst für Abhängigkeitserkrankungen des Südtiroler Sanitätsbetriebes in Bozen.

Im Vergleich zu Zeiten vor der Pandemie würden sich im Moment fünf Mal so viele Personen, Jugendliche wie Erwachsene, an den Dienst wenden, erklärte die Geschäftsführende Direktorin Bettina Meraner. „Die Zahl derer, die sich an uns wenden, nimmt extrem zu“, gibt Meraner zu bedenken.

Mit Drogen Gefühle kontrollieren

Die Gründe seien verschiedene, erklärt die Direktorin. „Die Leute sind müde, sie haben Schwierigkeiten ihre Gefühle zu kontrollieren,“ sagt Meraner, „es kommt viel öfter zu Wutausbrüchen und Traueranfällen.“ Jugendliche, aber auch Erwachsene, versuchten das häufig mit Substanzen zu regulieren.

Während der Pandemie hätten dem Dienst zufolge immer häufiger Menschen zu Drogen gegriffen „und jetzt merken wir die Auswirkungen“, sagt Bettina Meraner. Sie warnt davor, dass die Konsumentinnen und Konsumenten zu immer stärkeren Suchtmittel greifen.

Bettina Meraner bestätigt, dass der Drogenkonsum unter Südtirols Jugendlichen stetig ansteigt. LPA
Bettina Meraner bestätigt, dass der Drogenkonsum unter Südtirols Jugendlichen stetig ansteigt.

Breite Palette an Suchtmitteln

Die Auswahl an Drogen, die Konsumentinnen und Konsumenten in Südtirol erhalten und einnehmen, ist weitläufig. „Nach wie vor werden die klassischen Drogen häufig konsumiert“, weiß die Expertin, „das sind Opiate, Kokain und Cannabis-Derivate“, so Meraner weiter. 

Auch die psychedelischen Substanzen, wie Ketamin und LSD, kämen in Südtirol häufig vor. Aber es kämen auch immer wieder neue Substanzen auf den Markt, die noch nicht eingestuften wurden. „Diese sind teilweise auch noch nicht verboten, weil es sich um chemisch veränderte Substanz handelt“, erklärt die Geschäftsführende Direktorin vom Dienst für Abhängigkeitserkrankungen.

Wirkung teilweise viel höher

Auffallend bei den neuen Suchtmitteln sei, dass der Wirkungsgrad viel höher ist, als bei altbekannten Drogen. „Diese wirken sehr viel stärker, weil sie zum Teil eigens dafür gezüchtet wurden“, weiß Bettina Meraner. 

Das könne selbst bei Cannabis beobachtet werden. „Der Wirkstoffgehalt THC ist in letzter Zeit sehr, sehr viel höher, als noch vor zehn Jahren.“ Das wiederum hätte zur Folge, dass mehr Jugendliche über Ängste und psychotische Symptome berichten, die nach dem Konsum viel langsamer verschwinden.