Alkohol, Kokain, Cannabis: Wie süchtig ist Südtirol?

Immer mehr Suchtkranke konsumieren mehrere Drogen gleichzeitig. Auch in Südtirol. Besonders stark verbreitet ist die Alkohol-Sucht.

Alkohol, Kokain, Cannabis: Wie süchtig ist Südtirol?
Besonders stark verbreitet ist die Alkohol-Sucht, sagt Martin Fronthaler von "Bad Bachgart".

Berichten zufolge leidet ein Drittel der Südtiroler Bevölkerung direkt oder indirekt unter Alkoholsucht. Das heißt nicht, dass jede dritte Person in Südtirol alkoholsüchtig ist, betont Martin Fronthaler, der Direktor des Therapiezentrums „Bad Bachgart“. Aber Angehörige leiden mit: Bei etwa 5 Prozent Suchterkrankten in Südtirol müsse man jeweils etwa acht Betroffene hinzurechnen, die leiden, erklärt Fronthaler. „Das heißt, die Konsumenten haben eine Fülle von Angehörigen, die ihrerseits unter der Beeinträchtigung leiden“, betont der Direktor des Therapiezentrums.

200.000 Personen direkt oder indirekt betroffen

In Zahlen bedeutet das, dass in Südtirol knapp 200.000 Personen direkt oder indirekt von einer Suchterkrankung betroffen sind. Eine Volkskrankheit also. Spielsucht, Alkohol und zunehmend andere Drogen, vor allem aber Drogen-Kombinationen nehmen zu, sagt Fronthaler: Alkohol, um ruhig und gesellig zu sein, Kokain für Hochleistung und Cannabis zum Entspannen. Für jede Situation eine andere Droge, um möglichst in unterschiedlichen Situationen genau richtig drauf zu sein.

Leistungsdruck: Immer besser sein

Eine Rolle spielt auch der Leistungsdruck: Leistungsdruck in einer Gesellschaft, in der wir meinen, in allen Bereichen immer besser sein zu müssen, nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch unter Freunden. Über alles werde offen geredet, nur nicht über die eigene Sucht, sagt Fronthaler. Und das sei besonders besorgniserregend. 

Hilfe gebe es, erinnert Fronthaler und ruft Süchtige dazu auf, diese auch anzunehmen.

Experten beraten heute auf einer Tagung in der Cusanus-Akademie wie mit neuen Sucht-Phänomenen umgegangen werden soll und muss. Herkömmliche Therapieformen reichen nämlich nicht mehr aus, weil immer mehr Suchtkranke diverse Drogen gleichzeitig konsumieren.