Sucht in Südtirol

Streetworker Pribyl: Das Drogenproblem in Südtirol wird größer

Er sieht Kinder, die sich Kokain spritzen. Streetworker Jirko Pribyl warnt: Das Drogenproblem in Südtirol wird immer größer. Sein Rat an Eltern.

Streetworker Pribyl: Das Drogenproblem in Südtirol wird größer
Rai Tagesschau
Streetworker Pribyl: "Sport, knallharte Regeln, Disziplin, Respekt"

Er versucht einem 13-jähriges Mädchen zu helfen, das sich Kokain spritzt, und einem 8-jährigen alkoholkranken Kind. Einem 19-Jährigen, der an einem Nachmittag sieben Liter Wein trinkt.

Streetworker und Respekttrainer Jirko Pribyl hat in Südtirol mit schockierenden Suchtbiografien zu tun, und er warnt: Der Drogenkonsum steigt.  

Fast 1000 verzweifelte Eltern und Jugendliche haben sich in den vergangenen Jahren an ihn gewandt, Pribyl vermittelt Kontakte zu Hilfseinrichtungen, zu Tagesbetreuungen, zum Entzugzentrum für Südtiroler Suchtopfer in den Marken. Dort hat er bislang 38 Jugendliche je sechs Monate lang betreut, 32 davon sind auf dem guten Weg in ein normales Leben.

„Wir haben in Südtirol ein Drogenproblem, das immer größer wird. Und damit nimmt auch die Gewalt zu", sagt Pribyl. “Wir müssen das ernst nehmen und auf die Jugendlichen eingehen, Zufluchtsorte schaffen und vor allem Vereine, Hilfsangebote und Behörden vernetzen. Und es braucht in Südtirol Strukturen, wo alkohol- oder drogenabhängige und gewalttätige Jugendliche aufgefangen werden, um wieder aus dieser schwierigen Situation herauszukommen. Denn die Sucht ist eine Krankheit und Erkrankte haben ein Recht auf Genesung.” 

Pribyl selbst wurde 13-jährig alkohol- und drogensüchtig, war gewalttätig, straffällig und rückfällig. Der Tod eines Kumpels und die Begegnung mit einem Respekttrainer brachten die Wende, mit 21 Jahren begann er ein drogen- und gewaltfreies Leben - mit viel Sport, dem zentralen Element für seine Idee: ein Trainingscamp für Süchtige aus Südtirol. Vor fünf Jahren wurde es in den Marken verwirklicht, mit “viel Sport, knallharten Regeln, Disziplin und Respekt”.

Derzeit hält Pribyl Vorträge, zuletzt in Steinegg und Karneid. “Wir müssen aufwachen, über das Thema reden und vor allem konkret etwas dagegen tun”, sagt Albin Kofler, Präsident der Bezirksgemeinschaft Salten – Schlern und Bürgermeister von Karneid. Auch in ländlichen Gemeinden sei das Drogenproblem größer geworden. 

Eltern empfielt Pribyl in dieser Hinsicht ihre Kinder mit mehr Strenge und mit klaren Linien zu erziehen. Respekt und Disziplin sollten eingefordert werden. Aber er fordert Erwachsene auch dazu auf, mit mehr Aufmerksamkeit und mehr Wertschätzung auf die jungen Menschen zuzugehen. Und für die Jugendlichen hat Pribyl einen simplen Rat: „Lasst die Finger von Drogen! Sie sind es nicht wert, dass Ihr euer Leben damit ruiniert. Und Gewalt ist nie eine Lösung!“