Umweltschützer fordern: „Keine Gülle in Natura 2000 Gebieten!“

Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz fordert ein Verbot der Gülle-Ausbringung in Natura 2000 Gebieten. Gülle gefährde die Artenvielfalt in einer hochsensible Zone, die Landesregierung müsse endlich handeln.

Umweltschützer fordern: „Keine Gülle in Natura 2000 Gebieten!“
Pixabay/Ylloh
Traktor beim Ausbringen von Gülle auf einer Almwiese.

Den Umweltschützern stinkt es. Seit Jahren wird in den Natura 2000 Gebieten Gülle ausgebracht. Dadurch werde gegen EU-Recht verstoßen, ärgert sich der Dachverband für Natur- und Umweltschutz. Natura 2000-Gebiete sind von besonderer Bedeutung für den Schutz des Naturerbes in Südtirol. In Südtirol gibt es 44 Natura 2000 Gebiete, sie machen immerhin ein Fünftel der Landesfläche aus.

Hier gelten ganz besondere Schutzbestimmungen. Nichts darf in diesen Gebieten unternommen werden, das die Artenvielfalt gefährdet. Theoretisch dürfte in diesem Bereich auch keine Gülle ausgebracht werden, sagt der Geschäftsführer des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz Hanspeter Staffler, „weil in den Natura 2000 Gebieten ein dezidiertes Verschlechterungsverbot herrscht. Dass heißt, man darf keine Maßnahmen setzen, mit denen der Biodiversitätsverlust oder das Artensterben befördert wird.“ Genau das passiert aber durch die Gülle: Durch den hohen Stickstoffanteil verschwinden von den Bergwiesen viele wildlebende Pflanzen.

"Gülle verändert die Vegetationszusammensetzung und damit die Biodiversität zum schlechteren." Hanspeter Staffler

Die Landesregierung hat 2016 einen Kompromissvorschlag vorgelegt, in dem festgehalten wird, unter welchen Bedingungen doch Gülle ausgebracht werden darf. Ein Unding, sagt Staffler, „weil die Gülle eben die Vegetationszusammensetzung und damit die Biodiversität zum schlechteren verändert.“

Das Grundproblem liege dabei aber noch viel tiefer. In Südtirol gibt es einfach zu viel Kühe. Das sei an einem einfachen Fakt erkennbar: „Wir wissen aus diversen Studien, dass ungefähr 50 Prozent des Futters für die Südtiroler Kühe importiert wird. Das bedeutet, die Viehwirtschaft ist so weit gewachsen, dass das Futter, das hier produziert wird, bei Weitem nicht mehr ausreicht für die hiesige Viehwirtschaft.“

Landesregierung seit acht Jahren säumig

Das Futter wird also importiert, aber die Gülle nicht exportiert. Die bleibt da und wird auf die Wiesen ausgebracht - auch in den Natura 2000 Gebieten. Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz hat dem Kompromiss damals nicht zugestimmt. Man saß wohl am Verhandlungstisch, war mit dem Ergebnis aber überhaupt nicht einverstanden und sprach bereits damals von einem Verstoß gegen EU-Recht.

Auch wurde versprochen, dass weiterverhandelt wird, aber auch da sei die Landesregierung seit Jahren säumig, ärgert sich Hanspeter Staffler: „Es hätte ein Gremium geben sollen, in dem wir unsere Bedenken und Vorschläge einbringen können, jetzt sind acht Jahre vergangen und nichts ist passiert.“

Ganz untätig war das Land nicht. In der Versuchsanstalt Laimburg läuft seit nunmehr fünf Jahren eine Studie, die die Auswirkung verschiedener Düngearten und -mengen auf die Vegetation von Dauerwiesen in Natura 2000-Gebieten ermittelt. Die Studie wird in diesem Jahr abgeschlossen.