Das Landesinstitut für Statistik hat die Haushaltseinkommen anhand von Steuererklärungen analysiert. Die Ergebnisse für 2022 zeigen ein Einkommenswachstum im Vergleich zur Vorpandemiezeit und eine Steigerung der wirtschaftlichen Ungleichheiten.
Das durchschnittliche Nettohaushaltseinkommen in Südtirol betrug 2022 45.350 Euro. Realistischer stellt das mittlere Einkommen die Situation in Südtirol dar, weil besonders hohe und besonders niedrige Einkommen weniger Gewicht bekommen. Dieses sogenannte Medianeinkommen lag bei 33.218 Euro. Vor der Pandemie lag es bei 30.819 Euro. Doch trotz nominaler Steigerung bedeutet die Inflation für viele Haushalte einen realen Kaufkraftverlust von 4,3 %.
Das Medianeinkommen in Südtirol liegt bei 33.218 Euro. Das ist mehr als vor der Pandemie. Die Steigerung kann aber nicht den Kaufkraftverlust durch die Inflation ausgleichen.
Reiches Pustertal, armer Vinschgau
Regionale Unterschiede sind deutlich: Haushalte im Pustertal verzeichnen das höchste Medianeinkommen (36.719 Euro), während im Vinschgau die niedrigsten Werte (30.140 Euro) registriert wurden. Bozen, die Landeshauptstadt, bleibt unter dem Durchschnitt und zeigt, dass die urbanen Gebiete nicht immer wirtschaftlich führend sind. Besonders ländliche Gebiete und kleinere Städte schnitten oft besser ab.
Die Landeshauptstadt bleibt unter dem Durchschnitt. Das zeigt, dass urbane Gebiete nicht zwingend wirtschaftlich besser gestellt sind.
Erwachsene Kinder bringen Wohlstand, einsames Alter Armut
Familienstrukturen und Berufsfelder beeinflussen die Einkommen stark. Paare mit erwachsenen Kindern erreichten 2022 die höchsten Medianeinkommen (66.325 Euro), während alleinlebende Personen über 65 mit 17.455 Euro das Schlusslicht bildeten. Selbstständige Haushalte erzielten im Schnitt 159.610 Euro, während Pensionseinkünfte bei nur 31.866 Euro lagen. Haushalte mit einer Bezugsperson italienischer Staatsbürgerschaft schnitten zudem besser ab als solche mit Bezugspersonen aus Nicht-EU-Ländern.
Soziale Ungleichheit: einer von fünf verdient überdurchschnittlich
Die reichsten 20 % der Haushalte verdienten 2022 im Schnitt 6,8-mal mehr als die ärmsten 20 %. Der Gini-Koeffizient, ein Maß für Einkommensungleichheit, lag bei 0,371. Diese Werte zeigen eine moderate, aber anhaltende Polarisierung in der Einkommensverteilung. Besonders deutlich wird dies bei Selbstständigen und Haushalten mit unternehmerischem Einkommen, deren Medianwerte oft weit über den Durchschnittseinkommen anderer Gruppen liegen.