Deutschland, Frankreich und Großbritannien fordern eine sofortige Rückkehr zu einem Waffenstillstand in Nahost. "Die Wiederaufnahme der israelischen Angriffe in Gaza ist ein dramatischer Rückschritt für die Menschen in Gaza, die Geiseln, ihre Familien und die gesamte Region. Wir sind entsetzt über die Opfer unter der Zivilbevölkerung und fordern dringend die sofortige Rückkehr zu einem Waffenstillstand", hieß es am Samstag in einer gemeinsamen Erklärung der drei Länder.
"Wir fordern alle Parteien auf, wieder Verhandlungen aufzunehmen, um sicherzustellen, dass der Waffenstillstand vollständig umgesetzt wird und dauerhaft ist", heißt es in der Erklärung. Dazu gehöre auch, dass die radikal-islamisch Hamas die Geiseln freilasse. Ein dauerhafter Waffenstillstand sei der einzige glaubwürdige Weg zu einem nachhaltigen Frieden, einer Zweistaatenlösung und dem Wiederaufbau des Gazastreifens.
Israels Verteidigungsminister Israel Katz hat der Hamas unterdessen drei Tage nach der Wiederaufnahme der massiven israelischen Angriffe auf den Gazastreifen mit der "Annexion" von Gebieten in dem Palästinensergebiet gedroht. "Je länger sich die Hamas weigert, die Geiseln freizulassen, desto mehr Gebiet wird sie verlieren, das dann von Israel annektiert wird", erklärte er.
Israel: "Armee soll mehr Gebiete einnehmen"
Katz erklärte, er habe den Streitkräften befohlen, "mehr Gebiete im Gazastreifen einzunehmen" und drohte mit einer "permanenten Besetzung" von "Pufferzonen" innerhalb des Gazastreifens. Damit bezog sich der Verteidigungsminister auf Pläne einiger Sicherheitsbeamter, einen "Sicherheitsstreifen" insbesondere im Norden des Palästinensergebiets einzurichten, der einen Puffer zwischen dem Gazastreifen und den angrenzenden Ortschaften in Israel bilden würde.
Katz erklärte weiter, die Kämpfe würden in der Luft, am Boden und auf See intensiviert und die Bodenoffensive würde ausgeweitet werden, bis alle Geiseln frei seien und die Hamas besiegt sei. Dafür würden alle "militärischen und zivilen Druckmittel" eingesetzt.
Israels Armee hatte am Dienstag die Waffenruhe gebrochen und die heftigsten Luftangriffe im Gazastreifen seit Inkrafttreten des Waffenstillstands im Jänner geflogen, am Mittwoch gab sie den Beginn eines neuen Bodeneinsatzes in dem Gebiet bekannt. Die Wiederaufnahme der Angriffe sei eine Reaktion auf "die wiederholte Weigerung der Hamas" die Geiseln freizulassen, hatte die Regierung erklärt.
Hunderte Tote im Gazastreifen
Die erste Phase der seit dem 19. Jänner geltenden Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas war am 1. März ausgelaufen, eine Einigung über die zweite Phase konnte trotz intensiver Bemühungen der Vermittler USA, Ägypten und Katar bisher nicht erzielt werden. In der ersten Phase hatte die radikalislamische Hamas 33 von ihr als Geiseln verschleppte Menschen an Israel zurückgegeben, darunter acht Leichen. 58 Geiseln befinden sich noch in Gefangenschaft im Gazastreifen. 34 dieser Geiseln sind nach Angaben der israelischen Armee tot.
Wie die Nachrichtenagentur AFP am Freitag aus palästinensischen Verhandlungskreisen erfuhr, liegt der Hamas ein von Ägypten und Katar erarbeiteter Vorschlag zur Wiederherstellung der Waffenruhe und dem Austausch von Gefangenen vor. Dabei gehe es auch um humanitäre Hilfe für den Gazastreifen. Israel hatte Anfang März eine Blockade von Hilfslieferungen in das Palästinensergebiet verkündet.
Seit der Wiederaufnahme der massiven Angriffe durch Israel wurden nach Angaben der Zivilschutzbehörde im Hamas-geführten Gazastreifen mehr als 500 Menschen getötet. Tausende Bewohnerinnen und Bewohner des Gebiets wurden erneut vertrieben.
Israel greift Krankenhaus an
Die israelische Armee griff am Freitag nach eigenen Angaben ein von der radikalislamischen Hamas genutztes früheres Krankenhaus im Gazastreifen an. Das Gebäude im Zentrum des Gazastreifens sei schon seit "mehr als einem Jahr" nicht mehr als Krankenhaus genutzt worden. Weiter erklärte die israelische Armee am Freitag, am Vortag den Chef des militärischen Geheimdienstes der Hamas für den Süden des Gazastreifens getötet zu haben.
Das türkische Außenministerium hingegen warf Israel einen "gezielten" Angriff vor. Ankara verurteilte "die Zerstörung des Krankenhauses der türkisch-palästinensischen Freundschaft durch Israel". Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministerium im Gazastreifens handelte es sich um das "einzige Krankenhaus zur Behandlung von Krebspatienten im Gazastreifen".
Luftalarm wegen Raketen aus dem Libanon
Das israelische Militär fing Samstag früh nach eigenen Angaben am Morgen drei Raketen aus dem Libanon im Norden Israels ab. Zuvor seien Warnsirenen zu hören gewesen. Es gab zunächst keine Berichte über Schäden oder Verletzte. Die mit dem Iran verbündete schiitische Hisbollah-Miliz aus dem Libanon beschießt Israel seit Beginn des Gaza-Krieges.
Eigentlich gilt seit November eine Waffenruhe. Diese sieht einen vollständigen Abzug israelischer Truppen aus dem Süden des Libanon vor. Dieser ist inzwischen zwar weitgehend erfolgt, es gibt aber immer noch fünf israelische Militärposten in Grenznähe. Die libanesische Führung wertet den Verbleib der Truppen als Verstoß gegen die Vereinbarung und protestierte mehrfach dagegen.
Rakete aus dem Jemen abgefangen
Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben auch erneut eine aus dem Jemen abgefeuerte Rakete abgewehrt. Das Geschoß sei abgefangen worden, bevor es israelisches Staatsgebiet erreicht habe, erklärte die israelische Armee. In Jerusalem und in vielen Orten in Zentralisrael wurde Luftalarm gegeben.
Die vom Iran finanzierte Houthi-Miliz greift seit Beginn des Krieges im Gazastreifen immer wieder Schiffe im Roten Meer und im Golf von Aden sowie Ziele in Israel mit Drohnen und Raketen an. Die Houthis gehören neben der Hisbollah im Libanon und der im Gazastreifen herrschenden radikalislamischen Hamas zu der vom Iran angeführten und gegen Israel und die USA gerichteten "Achse des Widerstands".
Die Hamas hatte mit ihrem beispiellosen Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 den Krieg im Gazastreifen ausgelöst. Nach dem Beginn einer Waffenruhe im Gazastreifen Ende Jänner hatten die Huthis ihre eigenen Angriffe auf Israel vorläufig eingestellt. Als Reaktion auf Israels erneute Angriffe auf Ziele im Gazastreifen kündigte die jemenitische Miliz erneut Angriffe auf Israel an. Die israelische Armee fing seither nach eigenen Angaben vier Raketen aus dem Jemen ab.
Israel bombardiert Militärflughafen im Zentrum Syriens
Israels Luftwaffe hat eigenen Angaben zufolge einen Militärflughafen im Zentrum des Nachbarlandes Syrien angegriffen. Es seien Anlagen der früheren syrischen Regierung auf dem Stützpunkt Palmyra sowie auf dem Militärflugplatz Tiyas zwischen Homs und Palmyra getroffen worden. Diese Anlagen stellten eine Bedrohung für die Bewohner Israels dar, teilte das Militär in der Nacht auf seinem Online-Kanal mit.
Seit dem Sturz der Assad-Regierung hat die israelische Armee ihre militärischen Aktivitäten auf syrischem Gebiet deutlich ausgeweitet. Man werde auch weiterhin jegliche Bedrohung für den Staat Israel beseitigen, hieß es.