Wie informieren sich die Südtirolerinnen und Südtiroler? Welche Medien nutzen sie? Das Landesstatistikinstitut ASTAT liefert die Antwort: 65 Prozent sehen täglich oder fast täglich fern, 54 Prozent hören jeden Tag Radio, 40 Prozent lesen Online- oder gedruckte Tageszeitungen und 77 Prozent nutzen soziale Medien - die beliebtesten Kanäle sind WhatsApp, YouTube, Facebook und Instagram.
Vergleich zu letzter Erhebung hinkt
Diese Daten hat das ASTAT nach 1994, 1998, 2001, 2005, 2012, 2017 und 2021 zum achten Mal erhoben. Der Vergleich zu 2021 ist aber schwierig, denn während der Pandemie hat es viele Angebote nicht gegeben, gleichzeitig ist das Informationsbedürfnis aller stark angestiegen.
Die aktuellen Zahlen zeigen: In Südtirol wird mehr ferngesehen als Radio gehört. An einem durchschnittlichen Tag schalten 324.000 Personen den Fernseher und 263.000 Personen das Radio ein. Die durchschnittliche Nutzungsdauer der beiden Medien unterscheidet sich kaum (120 Minuten pro Kopf beim Fernsehkonsum und 119 Minuten beim Radiokonsum).
Beide Medien verzeichnen in der Altersgruppe der 14- bis 34-Jährigen die niedrigste durchschnittliche Tagesreichweite.
Italiener sehen mehr fern
Der Fernsehkonsum hängt von Kriterien wie Alter, Studientitel und Muttersprache ab. Die tägliche Dauer des Fernsehkonsums etwa steigt mit dem Alter und sinkt mit höherer Schulbildung. Italienischsprachige Zuschauer und Zuschauerinnen verbringen mehr Zeit vor dem Fernseher als Deutsche und Ladiner.
Spitzenreiter unter den Fernsehprogrammen sind die Nachrichten (63 Prozent) gefolgt von Spielfilmen (58 Prozent) und TV-Serien (46 Prozent). Die größten Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt es bei Sportsendungen, Sendungen zu kulturellen und wissenschaftlichen Themen, TV-Serien und Kochsendungen. Mit zunehmendem Alter steigt das Interesse an Nachrichten und Sendungen zu aktuellen Themen, während die Einschaltquoten von TV-Serien und Reality-Shows sinken.
Radionutzung sinkt langsam, aber stetig
54 Prozent der Bevölkerung hören täglich oder fast täglich Radio, während 21 Prozent nie Radio hören. An einem durchschnittlichen Tag schalten etwa 263.000 Personen (58 Prozent) das Radio ein. Der Anteil der täglichen Hörer und Hörerinnen sinkt stetig, 2012 lag er noch bei 64 Prozent. Auch die durchschnittliche tägliche Dauer des Radiokonsums geht zurück.
Die durchschnittliche tägliche Dauer des Radiokonsums steigt mit dem Alter, sinkt mit zunehmender Schulbildung und ist unter Männern, Erwerbspersonen, in der deutschen und ladinischen Sprachgruppe und in den Landgemeinden höher als in anderen Gruppen.
Gehört werden vor allem Musiksendungen (78 Prozent), Popmusik ist am beliebtesten. Es folgen Nachrichten (59 Prozent) und die Verkehrsinformation (34 Prozent).
Tageszeitungen kämpfen mit Rückgang
40 Prozent der Südtirolerinnen und Südtiroler lesen täglich oder fast täglich mindestens eine gedruckte oder Online-Tageszeitung, vor drei Jahren waren es noch 47 Prozent. Auch für diesen Vergleich gilt aber: In der Pandemie vor drei Jahren waren das öffentliche Leben eingeschränkt und das Informationsbedürfnis besonders groß.
Am häufigsten werden, wie im Jahr 2021, die lokalen Tageszeitungen gelesen. Auch sie verzeichnen allerdings einen Rückgang der Leserschaft.
Wie oft jemand eine Tageszeitung liest, hängt von Alter und Schulbildung ab. 19 Prozent der Bevölkerung (2021 waren es noch 22 Prozent) haben ein Abo für eine oder mehrere Tageszeitungen. Dieser Anteil steigt auf 41 Prozent unter den Personen ab 65 Jahren. 14 Prozent (2021 waren es noch 18 Prozent) haben ein Abo für eine lokale gedruckte Tageszeitung. Abos für Online-Tageszeitungen werden dagegen kaum abgeschlossen.
Social Media an der Spitze
An die Spitze dieser Studie haben es die Sozialen Medien geschafft. Fast acht von zehn nutzen täglich oder fast täglich - in ihrer Freizeit - das Internet. Fast alle 14- bis 19-Jährigen (98 Prozent) surfen täglich im Netz. Der Anteil sinkt etwas bei den 20- bis 34- Jährigen (95 Prozent) und den 35- bis 49-Jährigen (94 Prozent). Auch bei den 50- bis 64-Jährigen ist der Anteil der täglichen Internetnutzer und -nutzerinnen noch hoch (83 Prozent), bricht dann aber bei den Personen ab 65 Jahren stark ein (49 Prozent).
Der Anteil der Internetnutzer und -nutzerinnen steigt, unabhängig vom Alter, mit steigender Schulbildung und ist unter den Männern höher als unter den Frauen. Die täglichen Internetnutzer verbringen jeden Tag durchschnittlich 172 Minuten ihrer Freizeit online, vor drei Jahren war das ganz ähnlich (168 Minuten). Die meiste Zeit entfällt auf die Kommunikation. Frauen verbringen mehr Zeit mit Kommunikation als die Männer. Die beliebtesten Plattformen sind WhatsApp (98 Prozent), YouTube (79 Prozent), Facebook (55 Prozent) und Instagram (54 Prozent).
Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil der Zeit, die für die Suche nach Informationen und Nachrichten verwendet wird, jene für Videos oder Musik und für Spiele sinkt dagegen.
Hassnachrichten begegnen jungen Menschen
Das Internet hat aber auch eine Schattenseite, und auch diese hat das Landesstatistikinstitut untersucht. Acht Prozent der Nutzerinnen und Nutzer begegnen häufig Hassbotschaften im Netz, 19 Prozent passiert dies gelegentlich. Grundsätzlich gilt: Wer öfter online ist, ist auch mit mehr Hass konfrontiert.
Vor allem junge Menschen zwischen 14 und 19 Jahren sind Opfer von Gewalt im Internet. 19 Prozent von ihnen geben an, dass sie selbst schon Hassbotschaften über das Internet erhalten haben. 20 Prozent sagen, dass über sie falsche, beleidigende oder peinliche Textinhalte, Fotos oder Videos im Internet verbreitet wurden. Unter den 20- bis 34-Jährigen nehmen diese Anteile auf 12 bzw. 11 Prozent ab und sinken dann in den älteren Altersklassen gegen null.
Die Daten wurden zwischen 24. September und 31. Dezember 2024 erhoben. Für diese Erhebung wurde die gemischte Methode CAWI (Selbstausfüllung über Internet) - CATI (telefonische Befragung) angewandt. Von den 2.996 Personen, die teilgenommen haben, haben 2.670 (89 %) den Fragebogen online ausgefüllt und 326 (11 %) am Telefon.