Italien plant, die Mittelmeerinsel Lampedusa als immaterielles Kulturerbe bei der UNESCO einzureichen. Die Kandidatur steht unter dem Motto „Geste der Gastfreundschaft“ und soll am 12. September im Rahmen eines Konzerts des Komponisten Giovanni Allevi auf der Insel offiziell vorgestellt werden.
Nach Angaben von Renato Schifani, Präsident der Region Sizilien, sei die Initiative als Anerkennung für die „spontane Gastfreundschaft“ der Bevölkerung gedacht.
„Die Bewohner Lampedusas haben inmitten permanenter Ausnahmesituationen ein Modell gelebter Menschlichkeit entwickelt – mit der Würde des Menschen im Zentrum“, sagte Schifani.
Insel an der Frontlinie der Migration
Lampedusa ist mit rund 20 Quadratkilometern die südlichste Insel Italiens und liegt nur knapp 140 Kilometer von der tunesischen Küste entfernt.
Seit Jahren ist sie ein zentraler Ankunftsort für Geflüchtete, die über das Mittelmeer aus Nordafrika Richtung Europa aufbrechen. Viele von ihnen erreichen die Insel unter lebensgefährlichen Bedingungen – oft in überfüllten und seeuntüchtigen Booten.
Trotz knapper Ressourcen und anhaltender Herausforderungen hat sich auf Lampedusa eine Form der zivilgesellschaftlichen Hilfsbereitschaft etabliert. Die Insel wurde so zum Symbol für Solidarität – aber auch für die politischen und humanitären Spannungen, mit denen Europa im Umgang mit Migration konfrontiert ist.
Mit der UNESCO-Kandidatur will Italien ein Zeichen setzen: für Anerkennung, aber auch für ein neues Narrativ – jenseits von Zahlen, Grenzschutz und Krisenrhetorik.