Alfred Selbenbacher, der Hüttenwirt der Kaser Alm, wird den Vorfall nicht so schnell vergessen. Er hat Spuren hinterlassen. „Mir geht es nicht besonders gut. Ich habe sehr starke Kopfschmerzen, die Augen brennen immer noch stark, aber es muss weitergehen“, sagt er am Tag nach dem Vorfall im Interview mit Rai Südtirol.
Wie die Tageszeitung „Dolomiten“ zuerst berichtete, besuchten zwei italienische Touristen, im Alter von etwa 45 und 55 Jahren, gemeinsam mit zwei jüngeren Männern, die Kaser Alm. Von Beginn an sollen sie sich unfreundlich verhalten, sich über die hohen Preise beklagt und sich darüber aufgeregt haben, dass alles viel zu lange dauere.
„Ich habe dann gleich zu meinem jüngeren Sohn gesagt, um diese Gäste kümmere ich mich. Mir hat ihr Auftreten überhaupt nicht gefallen. Sie wollten beispielsweise wissen, wie viel das Quellwasser koste. Es sei gratis, wenn sie es sich selbst beim Brunnen holen. Im Krug, an den Tisch gebracht, koste es drei Euro, so meine Antwort“, sagt Selbenbacher.
„In diesem Moment habe ich bereits eine Ladung Pefferspray abbekommen“
Das Ganze habe sich langsam hochgeschaukelt. „Zwei der Männer haben einen Bauerntoast und zwei Cola bestellt. Die anderen beiden hingegen meinten, sie wissen noch nicht, was sie essen wollen. Deshalb habe ich in der Zwischenzeit andere Tische bedient. Plötzlich hat einer der beiden geschrien, er wisse jetzt, was er wolle. Ich habe geantwortet, dass ich zunächst die andere Bestellung aufnehme. Danach bin ich zu ihm“, erzählt Selbenbacher.
Der Mann habe dann Röstkartoffeln bestellt, gleichzeitig wollte er wissen, wie lange das Zubereiten der Mahlzeit dauere. „Ich habe zu ihm gesagt, dass ich die Bestellung der Küche weitergeleitet habe, sobald die Röstkartoffeln fertig seien, würde er sie bekommen. Als ich mich dann umgedreht habe, hörte ich wie er laut ‚Che stronzo‘ (Was für ein Arschloch, Anm.d.R.) sagte. Daraufhin meinte ich: ,Was hast du gesagt?‘ und in diesem Moment habe ich dann schon eine Ladung Pfefferspray abbekommen“, so der Hüttenwirt.
Gäste schlussendlich vertrieben
In der Zwischenzeit habe er den Vorfall auch den Carabinieri von Welsberg gemeldet und Anzeige erstattet. Zeugen gebe es genug, betont Alfred Selbenbacher. „Es waren ja genug andere Gäste anwesend. Außerdem war mein jüngerer Sohn auch dabei, er hat auch Sprühnebel vom Pfefferspray abbekommen. Er ist dann sofort in die Hütte gerannt und hat meine Partnerin und meinen älteren Sohn geholt. Ihnen ist es dann auch gelungen die Gäste zu vertreiben“, so Selbenbacher.
Der Hüttenwirt wurde anschließend von der Bergrettung ins Tal gebracht, wo ihn die Weiß-Kreuz-Sanitäter erstversorgten und dann ins Krankenhaus brachten.
Immer mehr ungebildete Gäste
Ein Vorfall den Alfred Selbenbacher nicht so schnell vergessen wird. Generell beobachtet der Hüttenwirt ein immer ungebildeteres Verhalten bei vielen Gästen. Statt höflich nach einem Mitarbeiter zu fragen, schnipsten sie mit den Fingern.
Wörter wie Danke und Bitte würden immer seltener, kritisiert Selbenbacher im Rai-Südtirol-Interview.