Tagesschau
11. August 2020 aktualisiert um 21:47
Chronik

Südtiroler berichten vom Kampf auf dem Markt für Schutzausrüstung

Auf dem internationalen Markt für Schutzausrüstung wird mit harten Bandagen gekämpft: mit gefälschten Dokumenten und mit viel, viel Geld.

Der Fall ist hinlänglich bekannt: Der Südtiroler Sanitätsbetrieb hat hunderttausende Schutzanzüge und Masken aus China ordern lassen: Die Dokumentation über die Qualität der Schutzausrüstung aber war lückenhaft, die Zertifizierung nicht einwandfrei nachweisbar. 

Der Sanitätsbetrieb und seine Partner haben sich im guten Willen auf sehr glattes Eis begeben, meint Simon Karner, der in Hongkong bei einem internationalen Unternehmen mit Niederlassung in Bozen tätig ist. Das Unternehmen beschäftigt sich seit Jahren mit Importen, u.a. von medizinischem Gerät, von China nach Italien und Europa. Karner sagt: "Wir sind im Markt für medizinische Ausrüstung schon länger tätig. Dieser Markt hat sich schlagartig verändert. Seitdem die Covid-Krise weltweit ausgebrochen ist, braucht die ganze Welt Schutzausrüstung. Ein großer Teil davon kommt aus China und die Produktionen wurden mit Aufträgen in kürzester Zeite überannt. Die Dynamiken wurden völlig verändert. Unsere Produzenten können uns keine Kapazitäten mehr geben, zum Beispiel für die chirurgischen Hemden, die jetzt über Monate ausgebucht sind. Das Gleiche erleben wir bei den Vinyl-Handschuhen." 

Wie auf einem Bazar

Der Markt für Schutzausrüstung, gleiche in letzter Zeit einem Bazar, so Karner, auf dem Unternehmen und auch Staaten mit viel viel Geld gegeneinander kämpfen würden.

Bei diesen KN-95-Produktionen (Schutzmasken mit etwa FFP2-Status, Anm. d.Red.) in China geht es immer noch sehr wild zu. Im Sinne, dass Händler wirklich vor den Produktion waren mit viel Bargeld, mit Koffern voller Geld, um sich die Kapazitäten zu sichern. Man braucht hier schon starke Nerven, um Qualität rechtzeitig liefern zu können.

Dabei werde auch mit allen Tricks gekämpft. Getrickst werde bei Zertifikaten, doch nicht nur in China, wo die meiste Schutzausrüstung hergestellt wird, sondern auch in Europa, wie Karners Geschäftspartner Robert Marchio erklärt: "Neben den bereits zertifizierten Unternehmen, welche immer schon exportiert hatten, hat es die chinesische Regierung für Unternehmen einfacher gemacht, schnell Schutzausrüstung zu produzieren. Sobald Covid-19 dann auf Europa zukam, mit Beginn in Italien, gab es eine hohe Nachfrage außerhalb Chinas, welche die bereits zertifizierten Unternehmen nicht decken konnten. Somit wurden nicht-zertifizierte Lieferanten kontaktiert und diese haben dann Ware, welche eigentlich nicht für den Export gedacht war, nach Europa verkauft. Und hier wird es jetzt interessant: Labors, zum Teil auch europäische, nutzten dieses Unwissen der chinesischen Firmen schamlos aus und haben irgendwelche irreführenden Dokumente gegen teilweise hohes Geld angeboten." 

Sanitätsbetrieb lehnte Angebot ab

Kurios: Das Unternehmen der Südtiroler in Hongkong - erfahren im Umgang und in der Prüfung von Zertifikaten - bot dem Südtiroler Sanitätsbetrieb Anfang April Tausende FFP2-Masken an, inklusive Rechtssicherheit. Der Sanitätsbetrieb jedoch lehnte ab - nachdem die Lieferung der Schutzausrüstung eingetroffen war. Diese war bereits am 24. März erfolgt. 

Aus den Antwort-Schreiben von Gesundheitslandesrat Thomas Widmann und Ressortdirektor Günther Burger, die Rai Südtirol vorliegen, geht hervor, dass man "mit Schutzmaterial bereits ausreichend versorgt" sei. Der Rest des Falles ist bekannt. 

(hp)

					

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