Tagesschau
04. Dezember 2021 aktualisiert um 21:31
Gesundheit

Gänsbacher erklärt: "Impfen - unbedingt"

"Auch wer schon eine Corona-Infektion hatte, sollte sich impfen lassen!" Das unterstreicht Immunologe und EMA-Mitglied Bernd Gänsbacher.


In regelmäßigen Abständen beantwortet der Immunologe und Arzt Bernd Gänsbacher im Mittagsmagazin Spezial auf Rai Südtirol Fragen rund um die Coronavirus-Pandemie und Covid-19. Gänsbacher ist auch Mitglied einer Expertenkommission der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA, die über die Zulassung von Arzneimitteln und Impfstoffen entscheidet. In dieser Sendung ging es ums Impfen. 

Impfen? Unbedingt!

Wer an Corona erkrankt ist, produziert in den meisten Fällen Antikörper. Klinische Studien hätten gezeigt,  dass die Impfstoffe von Biontech oder Moderna eine drei bis vierfach höhere Antikörper Konzentration im Blut der Geimpften bewirken, als das normale Coronavirus. Außerdem waren unter diesen Antikörpern auch neutralisierende Antikörper. Nur diese blockieren das Virus.

Das Coronavirus ist ausgesprochen gefährlich, weil es zu allen Zellen Zugang hat, die den Coronavirus-Rezeptor (ACE2 Rezeptor) tragen, also in der Lunge, in den Blutgefäßen, Leberzellen und Nierenzellen. Es kann neben der Lungenentzündung zu erheblichen zusätzlichen Schäden im Körper kommen. Selbst wenn ein Impfstoff einige wenige Nebenwirkungen haben sollten, seien diese wesentlich harmloser, als mögliche Nebenwirkungen einer Corona-Erkrankung, warnt Gänsbacher.

Kein Aufschub der zweiten Impfdosis

Wichtig sei es, dass auf die erste Impfung die zweite nach 21 Tagen folgt, so wie es bei der Zulassung genehmigt wurde. Denn mit der ersten Dosis, werden noch nicht genügend Antikörper gebildet, um das Virus bei einer Neuinfektion zu eliminieren. Die Folge: Das Virus, das dauernd mutiert, hat die Gelegenheit bei einer ungenügenden Antikörper Konzentration im Gewebe, die Mutanten zu produzieren, die von den Antikörpern nicht mehr erkannt werden.  Damit wird der Impfstoff als Waffe immer weniger wirksam und es wird immer schwieriger für den Menschen sich gegen das Virus zu verteidigen, warnt Gänsbacher. Großbritannien mache derzeit einen großen Fehler, zwischen der ersten und zweiten Impfung so große Pausen einzulegen.

Großes Impfstoff-Angebot ist sinnvoll

Es klingt wie ein Wettrüsten: Immer mehr Länder entwickeln ihren eigenen Impfstoff gegen das Corona-Virus. Es gibt schon 7 zugelassene Impfstoffe und 18 weitere, die in klinischen Phase 3 Studien getestet werden. Deutschland will nun mit Russland arbeiten, das italienische Unternehmen ReiThera berichtet von einer erfolgreichen ersten Testphase und Länder wie China und Indien arbeiten wiederum mit eigenen Impfstoffen gegen das neuartige Coronavirus. Ist das sinnvoll?
„Unbedingt!“, sagt der Immunologe Bernd Gänsbacher. Je mehr Impfstoff entwickelt wird, desto besser kann auf der ganzen Welt das Virus bekämpft werden. Denn je länger das Virus Zeit hat sich in der Welt auszubreiten, desto mehr Mutanten (Virusvarianten, um zu überleben) wird es geben. Damit werde es immer schwieriger gegen das Virus anzukämpfen.

In der EU wurden zwei Impfstoffe zugelassen. Der des deutsch-amerikanischen Herstellers Biontech-Pfizer und nun auch des US- amerikanischen Biotechnologieunternehmens Moderna. Beide hätten in etwa die gleiche Wirksamkeit, sagt Gänsbacher, der auch Mitglied des Europäischen Gremiums (EMA) ist, das über die Zulassung entscheidet.

Der entscheidende Unterschied: Das Träger-Schutzmolekül  (die Lipidnanopartikel) von Moderna sind laut Gänsbacher anders formuliert, als die von Biontech-Pfizer und weniger labil. Der Moderna Impfstoff kann deshalb bei minus 20 Celsius aufbewahrt werden, der Pfizer Impfstoff muss bei minus 70 gelagert werden, weil er sonst abgebaut und zerstört wird.
 
Wie lange sollte der Abstand zwischen der ersten und zweiten Impfung sein? Podcast ab Minute 14‘15‘‘
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