Tagesschau
14. April 2021 aktualisiert um 21:57
Gesundheit

Gänsbacher erklärt: Warum sterben Senioren nach der Impfung?

"Es starben alte Leute, teils über 90 Jahre alt, teils bettlägrig oder mit Vorerkrankungen im Endstadium", präzisiert der Immunologe Gänsbacher.

In regelmäßigen Abständen beantwortet der Immunologe und Arzt Bernd Gänsbacher im Mittagsmagazin Spezial auf Rai Südtirol Fragen rund um die Coronavirus-Pandemie und Covid-19. Gänsbacher ist auch Mitglied einer Expertenkommission der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA, die über die Zulassung von Arzneimitteln und Impfstoffen entscheidet. In dieser Sendung
ging es um die Nebenwirkungen des Impfens. 

Was können wir von Israel lernen?

Kein Land der Welt hat seine Einwohner so schnell geimpft, wie Israel. Natürlich ist Israel mit neun Millionen Einwohnern auch verhältnismäßig klein (Italien hat mehr als sechsmal so viele Einwohner), aber offenbar auch besonders gut organisiert und hatte sich schon im Dezember 2020 18 Millionen Impfdosen beschafft.

„Die Politiker Israels schützen ihre Bürger vorbildlich vor dem Virus.“, sagt der Rai-Südtirol Corona-Experte Bernd Gänsbacher. „Fast die Hälfte der Bürger erhielt die Erstimpfung und etwa 15 Prozent der Bürger wurde bereits zum zweiten Mal geimpft.‘‘ Israel habe rechtzeitig genügend Impfstoff bei Biontech/Pfizer bestellt, bezahlt und sich an die Abmachung gehalten, den Hersteller wöchentlich über die Impfergebnisse auf dem Laufenden zu halten. Dieser Ablauf sei beeindruckend, erklärt Gänsbacher.

Kann man am Beispiel Israel auch sehen, ob die Impfung wirklich den langersehnten Schutz bietet?

„Der Impfstoff von Biontech Pfizer wirkt!“, sagt Gänsbacher. 75 Prozent der Senioren in Israel wurden geimpft, damit liegen konkrete Daten vor:

1.           Bemerkenswert sei, dass Pfizer angab, dass der Impfschutz zwischen der ersten und zweiten Impfung (also am ersten und 21. Tag) bei 52 Prozent liegt. Die Daten aus Israel zeigten, dass der Schutz mit 35 Prozent nicht ganz so hoch ist.

2.           Nachdem bereits 75 Prozent der Senioren geimpft wurden, könne man auch Aussagen zum Impfschutz machen: Es zeige sich, dass die Infektionen bei den Senioren um 60 Prozent zurück gingen.
Wie ernst müssen wir Nachrichten über Nebenwirkungen wie Gesichtslähmung, oder gar Todesfälle nach der Impfung nehmen? Sind das Gerüchte, oder ist das wahr?

Eine Fazialisparese (Gesichtslähmung) hat man in 4 Patienten der Impfgruppe von 22.000 gesehen. Die normale Inzidenz von Fazialisparese liegt bei 10 von 15.000 Menschen, also ist das noch nicht besorgniserregend, wird aber überprüft, versichert der Rai Südtirol Coronaexperte Gänsbacher.

Norwegen hatte 23 Todesfälle infolge der Impfung gemeldet. Ähnliches hört man auch aus Spanien, sogar aus Israel.
„Achtung, hier muss man genau hinschauen!“ sagt Gänsbacher. Es starben alte Leute, die teils über 90 Jahre alt, teils bettlägerig waren und Vorerkrankungen im Endstadium hatten, präzisiert Gänsbacher. Die norwegische Gesundheitsbehörde sei dem nachgegangen und habe keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Impfung und Tod der Senioren bestätigen können. In Norwegen gibt es ca. 20.000 Senioren und im Durchschnitt sterben 300 pro Woche. Es liege also auf der Hand, dass es Todesfälle gibt, wenn man diese Gruppe impft, sagt Gänsbacher.

Auch in Deutschland wurde von Todesfällen berichtet. Deshalb würde geraten, dass im Fall sehr alter und geschwächter Menschen gemeinsam mit der Familie beraten wird, ob die betroffenen Senioren wirklich geimpft werden sollen. Von einer Sache ist Professor Bernd Gänsbacher überzeugt:

Impfen ist besser als Corona!

Jeder Beipackzettel zeige, dass alle Medikamente unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen können. Das gelte auch für die Coronaimpfung, betont Bernd Gänsbacher. Bei den mRNA-Impfstoffen sind aber die Gefahren der Nebenwirkung weit geringer, als wenn man vom Coronavirus infiziert wird.  Das Coronavirus kann über den ACE2-Rezeptor in die Gefäßzellen, Herzzellen, Nierenzellen und Leberzellen eindringen und Schäden anrichten. Das kann ein Spike Impfstoff nicht, er wird nur in ein paar hunderttausend Muskelzellen an der Injektionsstelle exprimiert.
 
Also, schlussfolgert Gänsbacher:
Ein klares Ja zum Impfen, aber bitte immer alle Fragen (auch zu Allergien und Vorerkrankungen, Chemotherapie oder auch Bypassoperationen) immer mit dem Arzt abklären!

Chemotherapie und Impfen: ab Minute 6
Nebenwirkungen : ab Minute 12

 

ge ka

					

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