Tagesschau
19. Jänner 2022 aktualisiert um 11:31
Gesundheit

Gänsbacher: "Hört endlich auf Dummheiten zu glauben"

Gänsbacher erklärt am Donnerstag. Die Themen: AstraZeneca ab 60, Zweitimpfung mit AstraZeneca?, Menschenversuche für den Impfstoff?, Impfstoffe von Einzelkämpfern?

AstraZeneca: Impfen oder besser auf andere Stoffe warten?

Der Ausschuss für Risikobewertung (PRAC) von Arzneimitteln der EMA befand, dass der Nutzen des Impfstoffes von AstraZeneca größer ist, als das Risiko einer Corona Infektion. Jedes Land entscheidet, welche Altersgruppe es mit dem Stoff impft. Großbritannien verabreicht das Präparat nur noch über 30- Jährigen, Italien hingegen den über 60- Jährigen. Die Logik dahinter?

Rai Südtirol: Professor Gänsbacher, wieso gibt es keine einheitliche Empfehlung für den Impfstoff?

Bernd Gänsbacher: Die Entscheidung der Briten den Impfstoff nur Personen über 30 zu verabreichen ist logisch und folgt einer statischen Auswertung der vorhandenen Zahlen von Nebenwirkungen in den verschiedenen Altersgruppen. Das Risiko eines schwerwiegenden Gesundheitsproblems nach Corona Infektion ist bei unter Dreißigjährigen geringer als die Wahrscheinlichkeit einer Thrombose nach AstraZeneca Impfung. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Gruppe aufgrund der Impfung mit AstraZeneca Probleme bekommen könnte, ist also rein rechnerisch größer. Deshalb die Empfehlung der Briten. Italien hat eine andere Entscheidung getroffen und beschränkt die Impfung mit AstraZeneca auf über 60-Jährige.

Rai Südtirol: Viele- vor allem Frauen- unter 60 haben jetzt Bedenken wegen der Zweitimpfung mit AstraZeneca. Hier gibt es noch keine Empfehlung der Behörden. Andere Länder verwenden statt des Vektorimpfstoffes von AstraZeneca einen mRNA Impfstoff, wie jener von Pfizer oder Moderna. Ist das nicht gefährlich?

Bernd Gänsbacher: Andere Länder fahren mit dieser Lösung gut. Angesichts der Datenlage würde ich diese Lösung auch befürworten. Allerdings kann nicht jeder machen, was er will. Das hängt von den wissenschaftlichen Daten ab, die vorliegen.

Rai Südtirol: Der Südtiroler Sanitätsbetrieb hält an der Zweitimpfung mit dem Impfstoff von AstraZeneca auch für die unter 60-Jährigen fest. Es gibt diesbezüglich keine Empfehlungen des Ministeriums. Was sagt die Wissenschaft?

Bernd Gänsbacher: In Deutschland werden für die Zweitimpfung bei den unter 60-Jährigen die mRNA Impfstoffe genommen. Das kann ich nachvollziehen.

Rai Südtirol: Auch ältere Menschen sind nun verunsichert. Vor allem jene, die vorbelastet sind und ohnehin dazu tendieren, Thrombosen zu bekommen. Was sollten sie tun?

Gänsbacher: Grundsätzlich ist zu sagen, dass der Impfstoff von AstraZeneca gut ist. Er schützt auch nach der ersten Dosis. Nach zwei, besser noch drei Wochen nach der Erstimpfung hat der Körper Antikörper gebildet und kann sich gegen das Virus verteidigen. Schwere Krankheitsverläufe sollte es dann nicht mehr geben. Ganz wichtig ist es, dass jeder und jede sich mit dem Hausarzt vorher abspricht. Denn nur der Hausarzt kennt die Krankengeschichte genau und kann entsprechende Empfehlungen aussprechen. Auch der Sanitätsbetrieb überprüft ja die Daten vor einer Impfung und wird zu dem einen oder anderen Impfstoff raten.

"Liebe Leute, hört endlich auf Verschwörungstheorien zu glauben!"

Bernd Gänsbacher

Rai Südtirol: Selbstentwickelte Impfstoffe von einzelnen Forschern oder Informationen wonach Frauen für wenig Geld zur Abtreibung bewogen werden, damit die Forschung an den Embryonen Impfstoffe ausprobieren kann, verbreiten sich so schnell wie das Coronavirus und seine Varianten. Das verunsichert.

Bernd Gänsbacher: Hört endlich auf Dummheiten zu glauben. Da lügen Menschen sich selbst an und versuchen Andere mit ihrem Irrglauben zu beeinflussen. Seriöse Forschungsergebnisse kann man auf den Seiten des Paul Ehrlich Instituts nachlesen oder beim RKI. Ein einzelner Forscher, der seinen eigenen Impfstoff entwickelt, sich und seine Freunde damit impft und darauf heftige Probleme mit den Behörden bekam, ist doch kein Vergleich zu jenen, die ihr ganzes Leben an den besten Universitäten geforscht und dann in Teamwork einen Impfstoff entwickelt haben.
 

(ge/zb)

					

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