Tagesschau
07. Dezember 2022 aktualisiert um 19:44
Umwelt

Reinstadler: Extremereignisse derzeit nirgends auszuschließen

Laut dem Chef der Bergrettung Sulden erreicht die Gletscherschmelze heuer Rekordwerte. Extremereignisse wie an der Marmolata seien überall möglich.

Schon im Winter und im Frühling konnten viele Experten außergewöhnliche Wetterereignisse beobachten: Abgesehen vom den fehlenden Niederschlagsereignissen waren schon im Spätwinter die Temperaturen in der Höhe so hoch, das die einzigen stärkeren Schneefälle im März innerhalb weniger Tage abgeschmolzen sind. Olaf Reinstadler, der Chef der Bergrettung Sulden, sieht den Gletscher momentan in extremer Bedrängnis.

"In der Ortlergruppe ist die Lage derzeit so, wie Mitte/Ende August", sagt er. Schon jetzt fließe nicht mehr geschmolzener Schnee, sondern tatsächlich Gletscherschmelzwasser zu Tal und dabei liege noch ein Monat vor uns, in dem der Gletscher weiter massiv abschmilzen werde.

Wasserstau an der Marmolata

Reinstadler ist sich sicher, dass der Gletscherbruch an der Marmolata mit massivem Schmelzwasserstau in Verbindung steht. "Bei so hohen Temperaturen dringt viel Schmelzwasser ein und kann nicht so schnell ablaufen, wie es ablaufen sollte. Das Wasser staut sich auf, der Druck steigt. Irgendwann platzt der Wasserstau auf und schießt zu Tal."

Dass die Bergsteiger zu spät unterwegs gewesen seien, das glaubt Reinstadler nicht. Denn die Dynamik eines derartigen Eisbruches sei unabhängig von der Tageszeit: 

Gletscherbrüche werden häufiger

Die hohen Temperaturen und die starke Wasserschmelze auf flachen Gletschern führe in der Regel zu keinen größeren Problemen, wie etwa an der Marmolata. Aber ausschließen könne man nichts, meint Reinstadler. "Es kann passieren", sagt der Chef der Bergrettung Sulden. "Doch bei uns gibt es derzeit wenige Stellen, wo der Gletscher aufnahmefähig wäre. Wir sind begünstigt, bei uns ist es derzeit noch nicht so arg." Öffnet man den Blick, ist die Lage dramatisch: "Im gesamten Alpenraum sind solche Extremereignisse schon häufiger geworden und werden noch häufiger werden. In Frankreich gibt es Gletscher, wo schon abgepumpt wird."

Auch deshalb glaubt Reinstadler nicht, dass das Unglück vermeidbar gewesen wäre.

th/pg

					

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