Tagesschau
04. Oktober 2022 aktualisiert um 11:50
Wirtschaft und Arbeit

Biolandwirtschaft stagniert in Südtirol – Was tun?

Die Biolandwirtschaft in Südtirol wächst nicht. Nach dem Willen der EU sollte sie es aber. Was tun? Welche Wege sieht Bioland dorthin?

Südtirol hatte heuer zu Jahresbeginn 1.506 Bio-Betriebe. Rund 6% der landwirtschaftlichen Flächen werden biologisch bewirtschaftet. Während es in den Jahren 2015 bis 2019 einen jährlichen Zuwachs an Bio-Betrieben von 6,4 bis über 17 Prozent gegeben hatte, betrug der Zuwachs an Bio-Betriebe 2021 lediglich 1,8 Prozent. 





Bei Bioland haben in diesem Jahr 30 Betriebe von der integrierten bzw. konventionellen Wirtschaftsweise auf Bioland umgestellt. Dem gegenüber stehen 25 Kündigung. „Bioland geht in Bezug auf die Umstellungen auf den Biolandbau deshalb heuer von einem Nullwachstum aus“, so Geschäftsführer Reinhard Verdorfer und er führt fort „auch die Aussicht auf das nächste Jahr bleibt verhalten.“ 

Das steht im Widerspruch zu den EU-Zielen. Diese sehen vor, dass 25% der landwirtschaftlichen Fläche in Europa bis 2030 nach biologischen Richtlinien bewirtschaften zu sollten. Davon ist Südtirol mit 6 % der Fläche weit entfernt. Und ein Wachstum ist nicht in Sicht. 

Die Gründe für geringes Wachstum 

Zum einen ist der Verzehr von biologischen Produkten der Familien in Italien bis Juli 2022 um 0,8% zurückgegangen im Vergleich zu Vorjahr. Vor allem die klassischen Supermärkte geraten mit einem Minus von – 2,0 Prozent unter Druck, der Verkauf im Discount nimmt hingegen zu (+13,8%), so die Daten des italienischen Institutes zur Untersuchung des Lebensmittelmarktes ISMEA. 

Bio käme zugute, dass Nachhaltigkeit ein wichtiger Trend ist. Biolandbau hat offensichtlich Schwierigkeiten, seine führende Rolle zu kommunizieren. Am Markt gibt es verschiedene Produkte, die Einzelaspekte wie Klima- und Umweltschutz, artgerechte Tierhaltung oder Lebensmittelsicherheit versprechen. „Biologische Produkte vereinen alle diese Aspekte in einem Produkt, der Handel aber lanciert Aktionen mit Produkten, die einen „fast Bio“-Status signalisieren und der Konsument reagiert aufgrund der Fülle an Informationen bezüglich Nachhaltigkeit im Geschäft mit Verunsicherung“, so Verdorfer.   

Was tun? 

Der Geschäftsführer von Bioland Südtirol, Reinhard Verdorfer, hat sich für eine geringere Besteuerung von Bio-Lebensmitteln ausgesprochen. Zwar hätten sich in den letzten Jahren die Preise von Bio-Lebensmitteln und konventionell hergestellten Lebensmitteln stark angenähert, trotzdem stammten erst sechs Prozent der konsumierten Lebensmittel aus biologischem Anbau, sagte Verdorfer im Rai Südtirol Morgengespräch. 

Bei Nachhaltigkeitstagen oder bei Green-Events sollten zudem 25 bis 50 Prozent der angebotenen Lebensmittel biologisch sein. Außerdem sollten Politik, Vereine und Verbände der Biolandwirtschaft eine zentralen Rolle in der Nachhaltigkeitsdiskussion einräumen. Das Ziel sollte sein, dass 25 Prozent der verwendeten Lebensmittel aus biologischer Produktion stammen. 

Bioland Südtirol ist mit rund 1.000 Mitgliedern und rund 30 Verarbeitern Südtirols größter Bio-Anbauverband und in Südtirol seit 1991 aktiv. Bio bedeutet, dass in der Produktion von Lebensmitteln organischen Düngung eingesetzt wird, auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, auf Herbizide und Hormone verzichtet wird. Es dürfen nur natürliche oder naturidente Stoffe verwendet werden. 

pm/ge 

					

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