Morgengespräch

Daniela Prugger erhält Claus-Gatterer-Preis „Man muss langfristig dranbleiben“

Die Olanger Journalistin Daniela Prugger wird im Juni mit dem Claus-Gatterer-Preis für hervorragenden Journalismus ausgezeichnet. Eine Auszeichnung, die für sie völlig überraschend kommt, erzählt sie im Morgengespräch von Rai Südtirol.

„Ich habe nicht mit dem Preis gerechnet, ich hatte mich auch nicht dafür beworben, es muss mich also jemand nominiert haben. Und ja, es kam unerwartet für mich“, erzählt Daniela Prugger, die sich über die Auszeichnung riesig freut.

Seit vier Jahren in der Ukraine

Die gebürtige Olangerin Daniela Prugger berichtet seit vier Jahren aus der Ukraine, der Republik Moldau und Armenien; seit mehr als einem Jahr erzählt sie in ihren Reportagen vom Krieg in der Ukraine und wie die Menschen mit der Kriegssituation umgehen. „Ich war am 24. Februar 2022 (Russischer Überfall auf die Ukraine, A.d.R.) dort und danach hat sich eine festere Zusammenarbeit mit dem Standard oder auch mit Rai Südtirol ergeben“, erklärt Prugger im Morgengespräch mit Silvia Franceschini.

„Ich habe es dann auf eigene Faust probiert“

Für Prugger stand nach ihrer Ausbildung in Wien und in Deutschland fest: Sie will Auslandskorrespondentin werden. „Ich hatte den Traum schon sehr lange und ich habe dann nach meiner Ausbildung beschlossen, dass ich es auf eigene Faust probiere. Als ich vor vier Jahren nach Kiew kam war einfach auch der Platz da. Damals gab es noch keine fixen Korrespondentinnen und Korrespondenten in Kiew für den deutschsprachigen Raum, weil die Berichterstattung über die Ukraine vor allem aus Moskau erfolgte und die Reporter oder Journalisten nur für wenige Wochen in die Ukraine kamen“, so Prugger. Doch das änderte sich dann mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine – und zwar schnell.

„Man muss sich ein Vertrauensverhältnis aufbauen“

Die Anfangszeit in der Ukraine sei nicht leicht gewesen. „Zunächst muss man sich als freie Journalistin etablieren.  Man muss Kontakte zu verschiedenen Redaktionen aufbauen und ein Vertrauensverhältnis etablieren. Da steckt viel Arbeit dahinter. Und dann kommt hinzu, dass man sich in einem anderen sprachlichen und kulturellen Raum bewegt. Man lernt sehr viel über Land und Leute. Das ist etwas gewesen, dass für mich sehr spannend war und warum ich auch in der Ukraine geblieben bin.

„Ohne gutes Netzwerk geht nichts“  

Hilfreich sei ein gutes Netzwerk, dann, wenn man weite Strecken zurücklegen müsse, auf Technik angewiesen sei usw.: „Ohne ein solches Netzwerk geht nichts. Sprich Kollegen, mit denen man sich zusammentut und zusammenarbeitet, mit denen man auch die Kosten teilt. Man braucht gute Kontakte zu Land und Leute. Mir kam zugute, dass ich schon länger aus der Ukraine berichte“.

„Die Themen liegen sehr häufig auf der Hand“

Daniela Prugger wohnt in Kiew, für ihre Themen bzw. Berichte legt sie oft weite Strecken zurück, manchmal spielen sich die Themen aber auch vor der Haustür ab.

„Die Themen liegen sehr häufig auf der Hand. Wenn ich an die vergangenen Monate in Kiew und an die ständigen Angriffe auf die Infrastruktur zurückdenke; wie wir teilweise ohne Strom und ohne Wasser in unseren Wohnungen saßen, da waren die Themen einfach da. Da musste ich auch nicht irgendwohin fahren, da arbeitet man wie jeder andere Journalist auch. Man geht raus und spricht mit den Leuten und macht sich ein Bild von der Lage“, schildert Daniela Prugger.

Dann gebe es aber auch Breaking News, Berichte über Angriffe auf andere Dörfer und Städte. „Die Ukraine ist sehr groß, die Strecken lang. Da muss man dann abwägen, für welche Geschichte man sich in welches Krisengebiet begibt.“

„Man muss sich ein eigenes Bild über die Situation verschaffen“

Begibt sich Daniela Prugger in ein Gebiet, wo Kampfhandlungen stattfinden, dann ist sie auf die Informationen von Militär bzw. Soldaten angewiesen. „Sie sagen uns, welche Straßen man besser nicht nehmen sollte, wo man nicht hinfahren sollte. Ich habe bis jetzt nur ein Mal eine Reise mit Soldaten in einem gepanzerten Fahrzeug unternommen. Und bislang hatte ich keine Probleme, was den Zugang zu Informationen betrifft. Man darf aber nicht vergessen, dass jede Armee in jedem Land ein Interesse daran hat, dass nicht die größten Geheimnisse, ausgeplaudert werden. Da geht es immer um Sicherheitsbedenken. Es geht aber für uns Journalisten darum, dass man selbst vor Ort ist und sich ein eigenes Bild über die Situation verschafft“, erzählt Prugger.

„Man muss langfristig Dranbleiben“

Der Olangerin ist es wichtig, dass durch regelmäßige Berichterstattung die Hintergründe und Auswirkungen von Konflikten verständlich werden: „Darum ist es so wichtig, dass man das langfristig verfolgt und eben auch das Vorher-Nachher versteht und dabeibleibt und eben nicht irgendwann sagt, das war’s jetzt, wir konzentrieren uns jetzt auf ein anderes Land. Dann gibt es in zehn Jahren wieder einen Krieg oder eine Auseinandersetzung, man hat dann aber nicht verstanden, was in der Zwischenzeit passiert ist. Deshalb ist dieses Dranbleiben wichtig“.