Tagesschau
04. Juni 2020 aktualisiert um 10:00
Politik und Institutionen

Eltern wehren sich gegen "zu teure" Kleinkindbetreuung

Die Landesregierung soll die Kriterien zur Finanzierung der Kleinkindbetreuung wieder abändern. Das fordern Eltern in Südtirol mittels Online-Petition.

Mit dem Beschluss der Südtiroler Landesregierung Nr.1198 vom 20.11.2018 "Genehmigung der Richtlinien für die Finanzierung der Kindertagesstätten und des Tagesmutter- Tagesvaterdienstes" wurden neue Kriterien zur Finanzierung dieser Dienste beschlossen. Die Elterninitiative Südtirol fordert eine sofortige Aussetzung bzw. Abänderung des Beschlusses.

Konkrete Kritikpunkte

Die Punkte Urlaubs- und Krankheitsregelung und die damit zusammenhängenden Mehrkosten für die Eltern müssen neu verhandelt werden, sagt die Initiativgruppe. Die Strukturen für die Kleinkinderbetreuung finanzieren sich über die Beiträge des Landes und der Gemeinden,sowie durch den Kostenbeitrag der Eltern. Dieser beträgt zwischen 90 Cent und 3,65 Euro - je nach Einkommen der Eltern. Wenn die Kinder die Einrichtung nicht besuchen - zum Beispiel wegen Urlaubs - bekommen die Gemeinden und Träger allerdings keinen öffentlichen Beitrag. 

Teurer Urlaub

Jedes Kleinkind hat Anspruch auf drei Wochen unbezahlten Urlaubs. Für die Elterninitiative Südtirol stellt sich aber ein Problem: Überschreitet man diese drei Wochen, muss der konventionelle Stundentarif, der je nach Größe der Struktur zwischen 10,20 und 14 Euro pro Stunde liegt, angewandt werden. Konkret heißt das, dass eine Familie für ein Kind, das die Kita/Tagesmutter 25 Stunden pro Woche besucht, für eine zusätzliche Woche Urlaub zwischen 255 und 350 Euro bezahlen muss. 

Umständliche Krankheitsregelung

Bisher wurde es bei Krankheit des Kindes so gehandhabt, dass die ersten drei Tage gemäß Betreuungsvertrag mit Tarifregelung (0,90 - 3,65 Euro pro Stunde) in Rechnung gestellt wurden. Für die darauffolgenden Tage war, je nach Struktur, weiterhin dieser Tarif zu bezahlen oder es wurde nichts in Rechnung gestellt. Laut neuer Regelung muss jetzt die gesamte Zeit, in der das Kind aufgrund von Krankheit abwesend ist, in Rechnung gestellt werden. Dabei muss innerhalb des dritten Krankheitstages ein ärztliches Zeugnis vorgelegt werden, ansonsten wird für die restlichen Abwesenheitstage der konventionelle Stundensatz von 10,20 bis 14 Euro pro Stunde in Rechnung gestellt.

Die Eltern werden somit gezwungen, bereits bei einem harmlosen Infekt einen Arzt aufzusuchen, um nicht ab dem vierten Tag den konventionellen Stundensatz zahlen zu müssen. Daneben kostet ein ärztliches Zeugnis bis zu 20 Euro und viele Eltern müssen für die Betreuung des kranken Kindes unbezahlten Sonderurlaub nehmen, was somit erneut Mehrkosten und einen möglichen gleichzeitigen Verdienstausfall mit sich bringt.

Klare Forderungen

Die Elterninitiative Südtirol fordert deshalb: mindestens sechs Wochen kostenfreien Urlaub, bezahlten Krankenstand bei Abgabe eines ärztlichen Zeugnisses (das innerhalb des 5. Krankheitstages abgegeben werden muss), Urlaubstage, die man einzeln nehmen kann und die mit Eigenerklärung angenommen werden (zum Beispiel für Arztbesuche, Impfen, Todesfälle und ein kostenloses ärztliches Zeugnis (nicht in jedem Dorf gibt es einen Kinderarzt).

Mitsprache erwünscht

Die Elterninitiative Südtirol hofft auch auf eine einheitliche Regelung für alle Organisationen und wünscht sich, dass die anfallenden Kosten von der öffentlichen Hand finanziert werden, damit nicht beim Personal oder der Qualität eingespart wird. Diese Verhandlungen und auch zukünftige sollten unter Miteinbeziehung der Eltern und des Betreuungspersonals geführt werden.

Die Elterninitiative Südtirol will ihre Forderungen mit einer Online-Petition untermauern und entsprechend Druck auf Landesrätin Waltraud Deeg ausüben. Am 27. Jänner ging die Petition online, innerhalb der ersten 24 Stunden konnten 1.000 Unterschriften gesammelt werden. 

(cb)

					

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