Tagesschau
19. Oktober 2021 aktualisiert um 21:54
Gesundheit

Das brauchen Familien mit Alzheimerkranken

13.000 Menschen in Südtirol haben Alzheimer. Jährlich kommen 1200 dazu. Was brauchen diese Familien?

Schuhe im Kühlschrank: Oft beginnt es mit reiner Vergesslichkeit, dann folgt auffälliges Verhalten, Orientierungslosigkeit, sozialer Rückzug. Bis zur Diagnose Demenz dauert es ganz unterschiedlich lang. Betroffen sind vorwiegend Senioren, immer öfter aber auch schon 50- bis 60-Jährige. Die Krankheit ist eine große Herausforderung - auch für Rotraut Wirtz und ihre Familie.

Rotraut sucht ihre Hausschuhe. Seit 2019 lebt sie hier im Haus im Stock über ihren Kindern, ganz alleine könnte sie nicht mehr bleiben.
"Muss i heut no irgendwohin?”
„Ja zum Arzt,“ entgegnet ihr Sohn, Wolfgang Töchterle.
„Ah so, i muss zum Arzt. Das ist aber nicht jeden Tag so."

Die Familie fühlt sich privilegiert, bisher braucht es weder intensive Pflege noch Heim. "Ich leb ja auch allein, ich mein ich fühl mich nicht irgendwo überwacht oder so, nana ich tu gern allein leben. Wenn i was brauch kann i zu ihm kommen und sonst kommt er zu mir."

Drei Stunden ist morgens eine Haushaltshilfe da, bis gekocht und gegessen ist, danach schläft Rotraut bis zum Abendessen. Rotrauts Demenz hat das Leben aller auf den Kopf gestellt, trotz Pflegegeld erster Stufe und Haushaltshilfe, bestätigt ihr Sohn. "Ohne sie wäre es eigentlich nicht wirklich möglich, weil wir ja wirklich arbeiten, wir sind alle im Arbeitsalltag und sie gibt uns Struktur und gibt ihr dann Struktur und da können wir uns wirklich drauf verlassen und ohne Haushaltshilfe muss i ehrlich sagen, wäre es nicht möglich definitiv oder einer von uns muss die Arbeit lassen."

Beratung, Austausch und Unterstützung brauchen alle in so einer Situation. Daher auch die Info-Messe der Alzheimer Vereinigung Südtirol noch bis morgen im Sohlerhof in Terlan. Der Präsident der Alzheimervereinigung Ulrich Seiz hat Wünsche an die Landesregierung. "Bei rund 13.000 Betroffenen in Südtirol und 1.200 Neuerkrankungen im Jahr muss es ein Programm und ein Plan der Landesregierung sein, dass wir uns nicht nur im soziosanitären Bereich darum kümmern das heißt, wir müssen in die Weiterbildung investieren, wir müssen über Betriebsübergabe über die Sachwalterschaft sprechen und wir müssen vor allem die Menschen absichern in der Pflege finanziell und auch psychologisch."

Denn drei Viertel der Demenzkranken werden zu Hause gepflegt. Passt man das System an und überfordert Angehörige nicht, haben sie die Chance, so lange wie möglich daheimzubleiben.

pm/ka

					

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