Tagesschau
15. August 2022 aktualisiert um 12:06
Wirtschaft und Arbeit

​Skifahren auf dem Hotel-Dach: "Das ist doch gscheid"

Das Land spricht über Nachhaltigkeit - und in Ehrenburg kann man auf dem Dach eines Hotels Skifahren. Wie passen diese beiden Welten zusammen?

Das Hotel Falkensteiner in Ehrenburg bietet seit Neustem Skifahren auf dem Hotel-Dach, das ganze Jahr über. Bei den Kindern, die's probieren, kommt das auch jetzt, Ende April, gut an, genauso bei ihren Eltern. Aber ist das nachhaltig? 

Falkensteiner verteidigt die Hotel-Skipiste

Hotel-Unternehmer Erich Falkensteiner sagt: Ja. "Wir haben keinen Kunstschnee. Das ist ein Kunststoffbelag, der braucht kein Wasser, im Winter liegt der Schnee drauf", sagt der Unternehmer und fügt hinzu: "Wir haben keinen Wald gerodet, um die Skipiste zu machen. Wir haben das Dach genommen! Das ist doch gscheid, oder? Ansonsten würde halt eine Dachplatte drauf sein."

Der Hotel-Unternehmer geht noch weiter. Eigentlich sei das gesamte Hotel ein nachhaltiges Projekt. "Wir haben dieses Hotel plastikfrei gemacht. Durch den See haben wir Wasserpumpen und brauchen nur noch ein Drittel Energie", sagt Falkensteiner.

Chance auf Entwicklung soll bleiben

Das Konzept des Familienhotels mit mittlerweile 123 Betten sei gut durchdacht. Seit 1957 hier alles begann, gab es sechs große Umbauten. Overtourism - kein Thema für einen, der mittlerweile 33 Hotels besitzt? "Ich bin grundsätzlich nicht gegen den Bettenstopp", sagt Falkensteiner. "Aber man darf einem Unternehmer nicht die Chance verwehren, innovativ zu sein und sich weiterzuentwickeln."

Privatzimmer setzen auf größere Zimmer

Esther Mutschlechner-Seeber ist Präsidentin der Privatzimmer-Vermieter. Sie sagt: Es brauche Investitionen in Qualität. Als Beispiel nennt sie: größere Zimmer, größere Aufenthaltsräume, größere Bäder. Solche Dinge - und Herzlichkeit sowie persönliche Beratung, das sei ihr Tipp für den Tourismus in Südtirol in Zukunft. 

Professor: Große oft nicht schlechter als kleine

Der Fachmann sagt Nachhaltigkeit hängt nicht mit der Größe zusammen. "Oft sind größere Einrichtungen effizienter und besser zu managen als kleine", sagt der Universitätsprofessor Thomas Bausch vom Kompetenzzentrum Tourismus. Eine kleine Einrichtung brauche viel Fläche, viel Energie und Wasser pro Gast. "Wenn wir tausende Chalets in Südtirol bauen ist das weit weniger nachhaltig, wie wenn wir 200 Hotels haben."

Jetzt geht es laut Universitätsprofessor Bausch um nachhaltige Mobiliät, bessere Nutzung von Vorhandenem und gute zeitliche Verteilung. Denn dass Disneyland bei gar einigen Gästeschichten gut ankommt, zeigt schon die Piefke-Saga. Bleibt die Frage, wie weit man in Südtirol künftig gehen will. In der nächsten Woche will Tourismus-Landesrat sein Landes-Tourismus-Entwicklungskonzept mit Leitlinien für die Ausrichtung des Tourismus in Südtirol vorstellen. 

ka/pg

					

Leseempfehlungen


					
						

Mehr Videos zu Wirtschaft und Arbeit