In Terlan wurde gestern auf einem einen Informationsabend für den Gemeinderat und verschiedene Interessensvertreter über die geplante Ansiedlung der Firma Alpitronic diskutiert. Mit dabei waren Landeshauptmann Arno Kompatscher und Vertreter der Alpitronic.
Es war eine nicht öffentliche Veranstaltung, „damit offen gefragt und diskutiert werden kann“, so der Terlaner Bürgermeister Hansjörg Zelger. Der CEO von Alpitronic, Philipp Senoner, erklärte, warum der Standort in Terlan für sein Unternehmen sinnvoll sei: Nach derzeit vier Standorten verstreut auf Bozen mit dauernden logistischen Problemen, suche man einen einzigen Ort. Nur die Zone Enzenberg in Terlan biete mehrere Hektar Platz dafür. Und man bleibe im Umfeld Bozen, das für Mitarbeiter aus dem ganzen Land zentral erreichbar ist. Mit Bus, Zug und Auto.
Alpitronic will Belastungen gering halten
Südlich der Einsteinstraße in Bozen Süd wäre auch Platz, aber die Eigentümer wollen nicht verkaufen. Leifers, das ebenfalls im Gespräch war, kann nicht die benötigten vier Hektar Fläche bieten, die Alpitronic benötige. In Terlan werde man die Flächenversiegelung auf 2,5 Hektar beschränken, versprach Senoner. Die zusätzliche Verkehrsbelastung wären 11 Lkw pro Tag. Die anliegende Obstgenossenschaft erzeuge 23 Fahrten pro Tag, so Senoner.
Die Reaktion der Anrainer erfolgte prompt: Herr Senoner von Alpitronic solle einen anderen Standort suchen. Der Großteil der Terlaner sei gegen die Grundzuweisung. Auch weil zwischen Terlan und Siebeneich die Verkehrsbelastung schon heute enorm sei. Die Meinung der Bürger zu übergehen, sei undemokratisch.
1.000 Unterschriften gegen das Projekt
Andere Anrainer führen ins Feld, dass man nichts gegen Alpitronic habe. Man glaube aber nicht, dass die heute noch grüne, biodynamisch bearbeitete Zone und der anliegende Margarethenwald die einzige Lösung für Alpitronic sei. Die Landesurbanistik-Kommission, die zuerst aus Umweltgründen gegen die Ausweisung war, werde übergangen, um eine Gewerbezone von Landesinteresse entstehen zu lassen.
In einem Monat habe man 1.000 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. Hier gehe es um das Aufopfern von Grünfläche, damit ein Unternehmen Profit erzielen kann. Das "grüne" Unternehmen Alpitronic sei nur dann wirklich grün, wenn es sich einen Platz in einer bereits verbauten Gewerbezone suche, deren Fläche saniert und neu aufgewertet werden kann, so die Meinung einiger Anrainer.
Handwerker für Ansiedlung und neuen MeBo-Anschluss
Es gibt aber auch Anrainer, die für die Alpitronic-Ansiedlung sprechen. Wer nachhaltige Industrie befürworte, solle sie auch mit einem Standort in der Nachbarschaft akzeptieren. Auch die Terlaner Handwerker sagen Ja zur Ansiedlung und schlagen einen neuen Meboanschluss in Siebeneich bei der Zone Enzenberg vor.
Der SVP-Ortsausschuss Terlan teilt hingegen mit, gegen die Ansiedlung zu sein. Ebenso die SVP-Ortsausschüsse der Fraktionen. Der LH sollte auf die Basis hören, lautet der Apell der Parteikollegen. Auch der Orts-Bauernrat ist gegen die Ansiedlung, weil hier hochqualitative Fläche verbaut werde. Außerdem bringe Alpitronic viele Arbeiter, Terlan werde zu groß und die sozialen Kosten würden steigen.
Der Tenor der Gegner der Ansiedlung: Die Alpitronic ist zu groß für Terlan und die Terlaner brauchen die Jobs der Alpitronic nicht. Der Landeshauptmann und der Bürgermeister sollten Anwalt der Bürger und nicht eines Unternehmens sein.
"Ein Unternehmen wie Alpitronic hat für Südtirol eine strategische Bedeutung" Landeshauptmann Arno Kompatscher
Nach all den Contras kam auch der Landeshauptmann zu Wort, der betonte, dass er gekommen sei, um persönlich und aus erster Hand die Argumente für und gegen das Projekt hören. Er stellte dann die Argumente der Landesregierung vor.
Das Hauptproblem sei, dass das Land keine schon bestehenden Flächen finde, die für Alpitronic geeignet wären. Kompatscher betonte, dass ein Unternehmen wie Alpitronic wichtig für Südtirol sei, also eine strategische Bedeutung habe und damit von Landesinteresse sei. Der LH verwies außerdem darauf, dass die Industrie der größte Arbeitgeber in Südtirol sei.
Entscheidung erst im kommenden Jahr
Die nun folgenden Schritte beschreibt Kompatscher so: Das Land beschließt, dass Terlan der ideale Standort ist und startet das Verfahren. Zunächst gibt es jedoch 30 Tage Frist, um dagegen Einspruch zu erheben. Dann hat die Gemeinde weitere 60 Tage Zeit, Stellung zu beziehen. Dann wird das Land die Einsprüche und Stellungnahmen an die Landschaftsschutzkommission übergeben, die dann ihre Stellungnahme abgibt. Erst danach, in 5-6 Monaten wird die Landesregierung entscheiden, so Landeshauptmann Kompatscher.