Andreas Colli tritt aus der Bewegung von Jürgen Wirth Anderlan aus. Als Grund gibt der Kastelruther an, dass es unterschiedliche Ansichten darüber gibt, wie Landtagsarbeit funktionieren soll. Die Anträge der Liste würden oft abgelehnt, was für ihn unbefriedigend sei, da konstruktive Lösungen fehlen. Wegen zunehmender politischer Differenzen kündigt er nun seinen Austritt aus der Fraktion an und will künftig als parteiloser Abgeordneter eigenständig agieren.
Jürgen Wirth Anderlan: „Bleibe gelassen“
Jürgen Wirth Anderlan reagiert gelassen auf den Austritt von Andreas Colli aus der JWA-Fraktion.
„Ich wusste, dass Andreas bereits seit längerer Zeit mit seiner Rolle im Landtag hadert. Ich habe ihm deshalb auch mehrfach ein klärendes Gespräch angeboten, worauf er jedoch nie eingegangen ist. Für mich war es von Anfang an klar, dass die Liste JWA im Landtag aus unabhängigen Kandidaten besteht, die frei und selbstbestimmt ihrer Arbeit nachgehen. Ohne Fraktionszwang.“
Genau deshalb betont die Liste JWA seit ihrer Gründung „Wir wollen, dass Menschen gewählt werden, keine Parteien.“
„Das habe ich Andreas gegenüber auch immer so geäußert“, erklärt Wirth Anderlan weiter. „Insofern finde ich es schwer nachvollziehbar, dass er sich für diesen Schritt entschieden hat. Nichtsdestotrotz bin ich dankbar für den gemeinsamen Weg und seine geleistete Arbeit, wünsche ihm alles Gute für die Zukunft und hoffe auch künftig auf eine gute Zusammenarbeit im Landtag.“
Andreas Collis Rücktritt im Wortlaut
„Nach den Erfahrungen der nahezu unerträglichen Corona Jahre, haben wir uns 2023 voller Hoffnungen und Tatendrang zusammengefunden, um einen nützlichen und konstruktiven Beitrag für die Entwicklung in unserem Land leisten zu können.
Ich habe auf der Liste kandidiert, jedoch immer darauf Wert gelegt, als unabhängiger Kandidat agieren zu können.
Für die Freiheit des Individuums sollte unser Einsatz gelten, welche in besorgniserregender Weise eingeschränkt wurde und den kollektivistischen Lebensleitlinien weichen musste.
Wir wollten nicht nur meckern, sondern mitgestalten und dazu beitragen Südtirol zu einem besseren Ort zu machen.
Als Liste „JWA“ ist es gelungen, einen Teil der Bevölkerung von der höchst notwendigen Veränderung im Land zu überzeugen. In kurzer Zeit, ohne Struktur und sehr geringen Mitteln, war es uns möglich, auf den unterschiedlichsten sozialen Plattformen viele politisch interessierte Bürgerinnen und Bürger zu gewinnen. Dies war und ist ein wichtiger Gradmesser für die Bereitschaft der Menschen zur aktiven politischen Teilnahme und Auseinandersetzung und eine Zustimmung hinsichtlich der politischen Ausrichtung der Liste.
Die bisherige Landtagsarbeit der Liste JWA empfinde ich jedoch weder als befriedigend noch als zielführend und teilweise sogar als kontraproduktiv. Ich bin mit dem Ziel zur Wahl angetreten als Abgeordneter einen Beitrag zu leisten und somit Dinge die in unserem Land besser laufen könnten und müssten zu verändern und hierfür konstruktive Vorschläge einzubringen.
Politische Kommunikation ist geprägt durch Wettbewerb, und die Konfrontation der Meinungen, weshalb in sachlich, konstruktiven Auseinandersetzungen mit anderen im Landtag vertretenen Parteien Wut und Ego in Diskussionen vermieden werden sollten, da eine Verhärtung der Fronten zu keinem Ergebnis führt.
Beinahe alle JWA-Anträge finden aufgrund der politischen Ideologie und die Art der Kritik keine Mehrheit und es ist mehr als unbefriedigend für den Papierkorb zu arbeiten. Einfach nur auf Probleme und Missstände hinzuweisen, ohne Alternativlösungen vorzuschlagen, ist FÜR MICH zu wenig.
Wenn politische Differenzen der Abgeordneten einer Liste zu groß werden und Entscheidungen getroffen werden die weder abgesprochen sind noch mitgetragen werden können dann müssen sie sich trennen.
Gewisse Grundsätze kann ich einfach nicht über Bord werfen. Deshalb trete ich bei Seite. Ich hadere schon einige Zeit mit mir und habe diese Entscheidung seit Wochen zurückgestellt.
Nun muss ich aber meine Konsequenzen ziehen und gebe mit heutigem Datum und Wirkung meinen Austritt aus der Fraktion „Liste JWA“ bekannt.
Das Mandat im Südtiroler Landtag werde ich erstmals als freier und parteiloser Abgeordneter weiterhin ausüben und versuchen mich für Dinge einzusetzen, die mir wichtig und der Gesellschaft nützlich sind.
An dieser Stelle sei allen Engagierten der Liste „JWA“ gedankt, dass ich mitmachen durfte.“
Andreas Colli
Zersplitterter Landtag
Mit dem Austritt von Andreas Colli aus der Liste JWA zersplittert sich der Landtag weiter, und es kommen zwei neue Eine-Person-Fraktionen dazu. Andreas Leiter Reber war im Februar aus der Fraktion der Freiheitlichen ausgetreten. Der Südtiroler Landtag besteht aus 35 Mitgliedern. Neun Mitglieder, das ist jeder Vierte, sind Einzelkämpfer bzw. -kämpferinnen, sitzt also als einziger Vertreter seiner Bewegung/Partei im Hohen Haus.
Den Eine-Person-Fraktionen gehören an:
Christian Bianchi
Andreas Colli
Angelo Gennaccaro
Renate Holzeisen
Andreas Leiter Reber
Ulli Mair
Sandro Repetto
Thomas Widmann
Jürgen Wirth Anderlan